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Sons of Norway

Sønner av Norge. N/S/F/DK 2011. R: Jens Lien. B: Nikolaj Frobenius. K: Morten Søborg. S: Vidar Flataukan. M: Jan Inge. P: Friland Prod., Götafilm Int. u.a. D: Åsmund Høeg, Sven Nordin, Sonja Richter, Tony Veitsle Skarpsno, Camilla Friisk, Trond Nilsen, John Lydon.
88 Min. Alamode ab 5.7.12

Vater, Mutter, Punk

Von Nicole Ribbecke »Never Trust a Hippy« hieß es damals schon bei der Punkband Sex Pistols. Deren Songzeile konstatiert damit bereits den in Sons of Norway dargebotenen Generationenkonflikt, nämlich den zwischen den 68er Langhaarrevoluzzern und den Irokesenanarchos der 1970er Jahre. Wer weiß, ob Jens Lien tatsächlich den Text von »Who killed Bambi?« im Kopf hatte, jedenfalls sind die Sex Pistols dadurch wie geschaffen für genau dieses Auflehnungsszenario. Deren Sound stachelt denn auch den jungen Protagonisten zur adoleszenten Rebellion an. Doch mit der Rebellion ist das so eine Sache in einem Haushalt der ohnehin nonkonformen Erziehung und mit größtmöglichen Freiheiten für den Nachwuchs, in dem der Aufstand der Kinder mit Plakaten und Demonstrationsgesängen gegen das Patriarchat, von zustimmendem und lauthalsem Mitwirken ebendieser Erwachsenen belächelt, verstummt. Besonders Nikolaj wird die Selbstbehauptung nicht leicht gemacht, sogar die E-Gitarre ein befürwortendes Geschenk der Eltern. Nichts will so richtig schockieren, nicht die grünen Haare, nicht diverse Stecknadelpiercings. Im Gegenzug wird der kleine Rebell im Nudistencamp und beim ersten Konzertauftritt durch seinen antizipierenden Vater beschämt.

Weiß man auch um den Schmerz des Jungen, so wird er von Åsmund Høeg mit einer derart zurückgehaltenen Frustration ausgestattet, daß die nächsten Worte oder Handlungen in seinem Gesicht nicht abzulesen sind. Eine Frustration, wie sie nur ein verdrossenes Kind empfinden kann. Niemanden läßt er wirklich hinein in seine Gedankenwelt, und das Leinwanddebüt des 16jährigen verdient an dieser Stelle Anerkennung. Dadurch wird dem elterlichen Gegenpart ein viel größerer Aktionsradius und darstellerischer Freiraum geschenkt, den Sven Nordin jedoch nie unnötig mißbraucht.

Lien ergreift niemals Partei in dieser berührenden Vater-Sohn-Geschichte. Die Beziehung der beiden zueinander wird mit einem tiefen Verständnis für Verantwortungsgefühl, Verzweiflung, aber auch Freude beider Seiten entwickelt. Perfekt ausbalanciert ist auch die Stimmung des Films zwischen lakonischem Humor und tief empfundenem Unglück – typisch norwegisch eben. 2012-07-03 18:24

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #67.
© 2012, Schnitt Online

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