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Sleep Tight

Mientras duermes. E 2011. R: Jaume Balagueró. B: Alberto Marini. K: Pablo Rosso. S: Guillermo de la Cal. M: Lucas Vidal. P: Filmax Entertainment. D: Luis Tosar, Marta Etura, Alberto San Juan, Carlos Lasarte, Pep Tosar, Tony Corvillo, Petra Martínez, Rubèn Ametllé u.a.
100 Min. Senator ab 5.7.12

Während du schliefst

Von Michael Kienzl César (Luis Tosar) kann tun, was er will, es gelingt ihm einfach nicht, glücklich zu sein. Seine Arbeit als Concierge eines schicken Wohnhauses in Barcelona deprimiert ihn zutiefst und hat ihn schon mehrmals auf die Dachkante getrieben, um seinem Leben ein Ende zu machen. Doch da ist eine Sache, die César noch eine gewisse Freude bereitet: das Leid anderer.

Es sind zunächst kleine Attacken vom unteren sozialen Rand nach oben, etwa wenn er dem verhätschelten Hund einer älteren Dame einen ordentlichen Durchfall verpaßt. Eine Mieterin hat es ihm aber besonders angetan. Die junge hübsche Clara (Marta Etura) ist jeden Morgen geradezu penetrant gut gelaunt. Nun macht es sich César zur Aufgabe, die Frohnatur so lange zu malträtieren, bis ihr das Lächeln endgültig vergeht.

Schon seit über einem Jahrzehnt dreht der Spanier Jaume Balagueró Horrorfilme, die vor allem unter Genreliebhabern Beachtung fanden. Erst durch seine Zusammenarbeit mit Paco Plaza – den mit Amateurvideo-Ästhetik spielenden Zombiefilm [REC] – gelang ihm allerdings der große Durchbruch. Seine neueste Arbeit, Sleep Tight, könnte stilistisch nicht unterschiedlicher sein: Ein auffällig klassischer, fast altmodischer Horrorfilm ohne jeglichen inszenatorischen Schnickschnack. Und obwohl ein Film über die sadistischen Attacken auf eine attraktive Frau an aktuelle Torture-Porn- Exzesse denken läßt, so ist Sleep Tight genau das nicht.

Das Bemerkenswerte an Balaguerós Film ist, daß sich der Zuschauer stets auf der Seite des Täters befindet. Wenn César jede Nacht aufs Neue unter Claras Bett weilt, sie schließlich betäubt und unter anderem Chemikalien in ihre Kosmetik mischt, nehmen wir unweigerlich seine Perspektive ein. In der spannendsten Szene des Films zittert man sogar darum, daß dieser Soziopath bei seinem Vorhaben bloß nicht entdeckt wird.

Natürlich funktioniert diese Identifikation mit dem Bösen nur, solange eine gewisse Grenze nicht überschritten wird. Das bedeutet, daß Sleep Tight zwar durchaus solides Handwerk ist, mit seinem konsequenten Verzicht auf nicht-jugendfreie Darstellungen letztlich aber auch etwas arg harmlos wirkt. 2012-07-02 15:35

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #65.
© 2012, Schnitt Online

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