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Bulb Fiction

A/D 2011. R,B: Christoph Mayr. K: Moritz Gieselmann. S: Paul M. Sedlacek. M: Andreas Lucas. P: Neue Sentimental Film Austria AG, Daniel Zuta Filmproduktion, Brandstorm Film.
104 Min. Farbfilm ab 31.5.12

Lampensäue

Von Sven Lohmann Dieses Jahr verschwinden EU-weit alle herkömmlichen Glühlampen aus dem Handel, zugunsten der komplizierteren und teureren Energiesparlampe – ein Thema, das für Filmschaffende schon deswegen von Interesse ist, weil Licht im Film eine unüberschätzbare Rolle spielt. So ging es auch dem Kameramann und Beleuchter Moritz Gieselmann, der 2007 noch das aufkommende Gerücht vom Verbot der Glühbirne verlachte. Das Lachen verging ihm nur kurze Zeit später, und weil er das Thema unzureichend in der Öffentlichkeit aufbereitet sah, tat er sich mit dem Filmemacher Christoph Mayr zusammen. Ihrer anfänglichen Skepsis der Energiesparlampe gegenüber folgend, fragen sie im Dokumentarfilm Bulb Fiction nach, wieso mit solchem Feuereifer die Abschaffung der Glühbirne vorangetrieben wird.

Als Aufhänger für die Reise durch das Interessendickicht hat Mayr einen eher emotional besetzten Einzelfall recherchiert, und der macht deutlich, daß für ihn schon das Wesen der Energiesparlampe eine Unbill ist. In Bayern hatte ein vierjähriges Kind, nachdem eine Energiesparlampe im Haushalt zu Bruch gegangen war, ernste gesundheitliche Schäden davongetragen – typische Symptome einer Quecksilbervergiftung, denn Energiesparlampen enthalten ja bekanntlich Quecksilberdämpfe. Mit der traditionellen Glühbirne, das ist nicht zu leugnen, wäre das nicht passiert, obwohl die ja angeblich ein Umweltsünder sein soll. Die Rechnung also sieht scheinbar zunächst so aus: Zugunsten einer fortschrittlichen Technologie müssen wir wohl hier und da »Kollateralschäden« hinnehmen, in Form von Gesundheitsschäden vereinzelter Unglücklicher.

Mayr gibt sich damit aber nicht zufrieden und forscht weiter – er besucht Ärzte, Physiker, Biologen, EU-Parlamentarier, Lampenhersteller, Wirtschaftswissenschaftler, Erfinder, Lampenrecycler, Leute von Greenpeace, und die erklären, mahnen, wiegeln ab. Kurzum: Er stellt ein Ensemble zusammen von Menschen, die von immer neuen Seiten die Einführung der Energiesparlampe beleuchten. Diese Sammlung von Interviewpartnern und Schauplätzen stellt der Energiesparlampe kein rühmliches Zeugnis aus: Scheibchenweise erhärtet sich der Verdacht, daß die neue Beleuchtungstechnologie nicht nur gesundheitlich und ökologisch bedenklich ist, sondern obendrein auch noch zugunsten der Lampenindustrie ›durchgedrückt‹ – von der EU-Politik, die sich hier billig als »klimafreundlich« positionieren kann.

Filmisch konzentriert sich Bulb Fiction ganz auf seinen Inhalt; Mayr liegt daran, Wissen zu vermitteln über künstliches Licht und so eine grundlegende Informationsbasis zu schaffen. In seiner visuellen Schlichtheit dagegen ist der Film stilistisch schon fast der privaten Internet-Doku vergleichbar; im Mittelpunkt steht die journalistische Unmittelbarkeit, das investigative Element – und nicht der ästhetische Anspruch. Gieselmanns Bildgestaltung verzichtet denn auch konsequenterweise auf künstliche Beleuchtung und kommt so in einer Art Dogma-Optik daher.

Bulb Fiction ist (anders als er sich selber sieht) aber nur am Rande ein Film über »staatliche Bevormundung«, Wutbürger und Zivilcourage. Mayr macht zwar keinen Hehl aus seiner Ablehnung der Energiesparlampe gegenüber, aber der Film analysiert nicht die grundlegenden Prinzipien, die den Verflechtungen von Politik, Industrie und NGOs zugrunde liegen – oder »wo das alles mal enden soll«. Er ist einfach eine kritische Betrachtung zur Einführung der Energiesparlampe. Und das ist auch gut so. 2012-05-31 13:44
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