Ausstieg in Fahrtrichtung Tod
Von Lena Serov
In den letzten Jahren haben im deutschen Kino zwei Filme das Bild der Mafia gezeichnet:
Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra und
Il Divo. Während
Gomorrha ein brutal-realistisches Bild der heruntergekommenen und in Mafiahand befindlichen Provinzen um Neapel zeichnet, blickt
Il Divo in die hohen Ränge korrupter Staatspolitik – eine surreal-stylische, jedoch weniger Haltung beziehende Satire. Das in Deutschland angesiedelte »Post-Mafia-Drama«
Ein ruhiges Leben ist nicht so mutig wie seine Vorgänger, könnte man meinen, denn ihm fehlt der Enthüllungscharakter: Die konkreten Hintergründe um die Machenschaften der Camorra und um die Verbindungen der italienischen Mafia nach Deutschland bleiben darin nur angedeutet. Der Regisseur konzentriert die Erzählung auf ein Kammerspiel um den in seiner Heimat totgeglaubten Mafiaaussteiger Rosario, der sich in der Beschaulichkeit deutscher Bürgerlichkeit eine neue Identität aufgebaut hat; doch schon bald holt ihn seine Vergangenheit ein.
Alles in Allem vertraut
Ein ruhiges Leben dem soliden Handwerk von Kamera und Schnitt und ist in seiner Bildsprache ein konventioneller, gut gemachter Film. Der Regisseur, der mit diesem Film seine zweite Regiearbeit abliefert, erweist sich jedoch darin als überaus gekonnter Drehbuchautor und Dramaturg. Das langsam anlaufende Drama, die Kargheit der Dialoge und die sparsam proportionierte Spannungsökonomie legen Schritt für Schritt die Verstrickungen in die Mafia und den familiären Konflikt frei. Die kühle Ästhetik mit den vorherrschenden Farben grün und blau trägt bis zum Schluß den fatalistisch-tragischen Zug. Zwei Szenen um den Mafiosi-erprobten Hauptdarsteller Toni Servillo, die bereits zum Genre-Repertoire des Mafiafilms gehören, stechen dabei besonders hervor: In der einen versucht Rosario seinen Sohn zum Ausstieg zu bewegen, er soll damit in seine Fußstapfen treten. In der anderen bittet Rosario um den Rat Gottes, indem er auf den befreundeten, doch im Koma liegenden Pastor einredet. In diesen beiden Monologen ruft
Ein ruhiges Leben noch einmal die Erinnerung an die großen Mafia-Epen des Kinos wach.
2012-05-22 16:25