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Die Kunst zu lieben

L'art d'aimer. F 2011. R,B: Emmanuel Mouret. K: Laurent Desmet. S: Martial Salomon. P: Moby Dick Films, Partizan. D: François Cluzet, Frédérique Bel, Julie Dépardieu, Emmanuel Mouret, Pascale Arbillot, Ariane Ascaride, Judith Godrèche, Louis-Do de Lencquesaing u.a.
88 Min. Camino ab 17.5.12

Irrungen und Wirrungen

Von Annette Walter »Wenn Sex doch so eine einfache Angelegenheit wäre wie Verabredungen im Cafe!« seufzte der Amerikaner Mark Greif in seinem Essay »Im Hochsommer der Sexkinder« und man meint, er hätte diesen Satz für Emmanuel Mourets Die Kunst zu lieben geschrieben.

Der Film fragt, wie sexuelles Begehren entsteht und ausgelebt werden kann und in welchem Spannungsverhältnis es zu einer Liebesbeziehung steht. Kann die Libido konserviert werden oder kommt sie zwangsläufig abhanden, wenn sich zwei Menschen für die Monogamie entscheiden? Kann aus einer rein sexuellen Affäre, was bei Mouret auf die Spitze getrieben wird, indem sich Isabelle und Boris, ohne die wahre Identität des anderen zu kennen, in einem dunklen Hotelzimmer zu amourösen Treffen verabreden, eine Beziehung entstehen? Letztlich alles Fragen, die in der Filmgeschichte tausendfach beackert worden sind. Mouret fällt dazu leider nicht viel Neues ein. Er reiht mehrere Paargeschichten aneinander, um diese Fragen zu reflektieren, doch leider verheddert er sich in diesen multiplen Erzählsträngen. Einige dieser Episoden werden nur grob angerissen wie die Geschichte des todgeweihten Komponisten, der verzweifelt die wahre Liebe sucht. Diesem Protagonisten wird kein Raum zur Entwicklung gegeben wird, er bleibt blass. Andere Stränge werden dagegen mehrfach aufgenommen und auserzählt. Sie funktionieren dann durchaus, so wie die Geschichte von Achille, der sich nach seiner hübschen Nachbarin verzehrt und von ihr trotz eifrigem Werben mehrfach schroff abgewiesen wird.

Mourets Liebesreigen wirkt trotz positiver Ansätze und des französischen Starensembles (François Cluzet, Julie Depardieu, Judith Godrèche, Gaspard Ulliel) sehr klinisch und steril. Für eine gelungene Komödie fehlt Die Kunst zu lieben Timing, Sprachwitz und Tempo, für ein Drama Tiefgang. So mäandert der Film unschlüssig dahin und man denkt ein wenig wehmütig daran, was Truffaut aus so einem Sujet gezaubert hätte. Was bei Truffaut die interessante Leerstelle, das Mysteriöse, die Zwischentöne waren, wird bei Mouret totgequatscht und mit banalen Hochglanzbildern illustriert. Küchenphilosophische Sprüche à la »Es gibt keine Liebe ohne Musik«, die zwischen den Szenen eingeblendet werden, verleihen dem Film auch nicht mehr Tiefgang. Bei Mouret lösen sich alle Irrungen und Wirrungen schlußendlich zu banal und erzählerisch wenig nachvollziehbar in honigsüße Happy-Ends auf. 2012-05-19 15:54
© 2012, Schnitt Online

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