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Die Liebenden

Les bien-aimés. F/GB/CZ 2011. R,B: Christophe Honoré. K: Rémy Chevrin. S: Chantal Hymans. M: Alex Beaupain. P: Why Not Productions. D: Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Milos Forman, Chiara Mastroianni, Louis Garrel, Paul Schneider, Radivoje Bukvic, Goldy Notay u.a.
139 Min. Senator ab 3.5.12

Schwer verliebt

Von Constanze Frowein Für Honorés Die Liebenden arrangiert erneut Komponist Alex Beaupain die musikalische Untermalung der Geschichte des Liebeslebens einer Mutter und ihrer Tochter. Honoré hatte schon für den Vorgängerfilm Chanson der Liebe das Genre Musical genutzt – mit Die Liebenden bietet es nun ein riesiges Aufgebot großer Namen – Deneuve, Forman, Mastroianni, Sagnier – was die Wahl des Films als Abschlußbeitrag in Cannes 2011 erleichtert haben dürfte.

Catherine Deneuve und Tochter Chiara Mastroianni wagen sich in Die Liebenden erstmalig auch als Schauspielerinnen in die Rolle von Mutter und Tochter. Deren durchgängige Liebeskomplikationen ordnen sich in einer Zeitspanne von rund 45 Jahren in große zeitgeschichtliche und politische Knotenpunkte ein: beginnend mit der sexuellen Revolution der 1968er Jahre in Paris, über den Prager Frühling in selbiger Stadt bis zum Zeitalter von Aids im London der 1990er Jahre. Die Geschichte gipfelt im konzentrierten Stillstand des Attentates auf das World Trade Center am 11. September 2001. Die Handlung wird rückblickend aus der Sicht der Mutter erzählt. Vor dem Hintergrund der signifikanten Bilder der in die Hochhäuser rasenden Flugzeuge erläutert sie, wie ihre Tochter im entfernten Montreal an der Liebe zu einem homosexuellen Musiker zerbricht. Beginnt der Film im Paris der 1960er Jahre noch mit der musikalisch leichtfüßigen Feststellung, ohne einen Mann leben zu können, aber nicht, ohne ihn zu lieben, so klingen die Töne der Tochter später durchweg schwermütiger, letztendlich im Tod endend. Aus der Perspektive der leichtlebigeren Mutter allerdings nimmt der Film diese düstere Färbung nicht vollends ein und bietet mit einem umklammernden musikalischen Rückblick auf den Beginn der Erzählung eine fiktive Einordnung des Handlungsverlaufs, welche sich von den realen Bildern der politischen Ankerpunkte im Film bis zum Schluß hin immer wieder lösen. So findet die Äußerung Honorés, den Film hätte er auch mit »Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins« untertiteln können, seine inhaltlich ambivalente Entsprechung. 2012-05-08 14:17
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