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The Other Europeans in: Der zerbrochene Klang

D 2011. R,B: Yvonne Andrä. B,S: Wolfgang Andrä. K: Wolfgang Bauer.
129 Min. 1meter60 Film ab 19.4.12

Auf der Suche nach dem verlorenen Klang

Von Constanze Frowein Was heißt es, Europäer zu sein? Wolfgang Andrä, Regisseur von Der zerbrochene Klang – The Other Europeans meint, es könne die Idee sein, eine eigene Kultur zu haben, gleichzeitig aber über eigene Grenzen hinweggehen zu müssen. Aus dieser Definition heraus titelt der Dokumentarfilm von Yvonne und Wolfgang Andrä übersetzt »Die anderen Europäer«. Er dokumentiert die Suche von 14 jüdischen und Roma-Musikern nach ihren gemeinsamen Wurzeln. Vor dem zweiten Weltkrieg noch formten jüdische Klezmer- und Roma-Lautarimusiker in Bessarabien, dem heutigen Moldawien, eine gemeinsame Musikkultur. Dabei scheint es, daß der jüdische Musiker Alan Bern und der Roma-Cimbalist Kálmán Balogh versuchen, die Vergangenheit zu erhorchen und – wenn dies dann nicht funktionieren will – zurückzumusizieren. Beide bemerken, daß zwar einige alte jiddische Klezmer-Aufnahmen noch existieren, kaum aber dokumentierte Lautar-Musik. Das durch Hören erlernte Repertoire der Lautari-Musiker wird bis heute von Generation zu Generation weitergegeben. Daran mag es liegen, daß es an Tonbandaufnahmen der Vorfahrenmusik mangelt. Das Wort Klezmer stammt aus dem aramäischen »kli zemer«, was auf deutsch »Gefäß des Liedes« bedeutet. Alan Bern, Initiator und Leiter des künstlerischen Projekts scheint diesem Wortursprung entsprechend festhalten zu wollen, was so schwer zu ergründen ist: Worin heute der Unterschied der Klezmer und Lautari-Musik besteht. Anfang des letzten Jahrhunderts spielten Roma-Musiker und jüdische Musiker noch gemeinsam in den Städten und Dörfern Bessarabiens. Nicht nur hatten sie ein größtenteils gleiches Repertoire, sie spielten sogar gemeinsam für die Roma, die jüdischen und alle anderen Zuhörer.

Mit über zwei Stunden ist das ohne einen Off-Erzähler auskommende Filmprojekt an einigen Stellen langatmig, dafür aber in seinen Zwischentönen durchaus reichhaltig. Hoffentlich kann das Projekt die Rückbesinnung auf die gemeinsame musikalische Vergangenheit mit weiteren Tourdaten der Band fortführen. So könnten dann die Klänge der Klezmer- und Lautar-Musik im heutigen Europa noch weiter bekannt gemacht und neue Fans auf der ganzen Welt hinzugewonnen werden. 2012-05-02 14:11
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