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The Lady – Ein geteiltes Herz

Dans la lumière. F/GB 2011. R: Luc Besson. B: Rebecca Frayn. K: Thierry Arbogast. S: Julien Rey. M: Eric Serra. P: EuropaCorp. D: Michelle Yeoh, David Thewlis, Jonathan Raggett, Jonathan Woodhouse, Susan Wooldridge, Benedict Wong, Htun Lin, Agga Poechit u.a.
133 Min. Universum ab 5.4.12

Ein bißchen Frieden

Von Dietrich Brüggemann Die Geschichte hat alle Zutaten fürs große Kino: In einem Land, das gerade die Fesseln der Kolonialherrschaft abschüttelt, wird ein Politiker bei einem Attentat getötet, seine Tochter wächst auf, geht in den Westen, gründet mit einem Engländer eine Familie, reist dann zurück in ihr Heimatland, wo eine brutale Militärdiktatur das Volk mit Füßen tritt, und wird auf einmal wider Willen zur Leitfigur einer Volksbewegung, was ihr einerseits den Friedensnobelpreis, andererseits jahrelangen Hausarrest einbringt.

Luc Besson, der diese Geschichte nun verfilmt hat, war früher auch mal Spezialist für großes Kino. Dann baute er sich als Produzent im Süden Frankreichs ein eigenes Studiosystem, von wo Filme wie Taxi oder The Transporter erfolgreich in die Welt hinausgingen. Nun meldet er sich zurück mit einer filmischen Geschichtsstunde über Aung San Suu Kyi, die in ihrer Heimat Birma so etwas wie ein lebendes Denkmal ist.

Die Handlung setzt genau dort ein, wo mit der ersten Reise von England nach Birma das private Dasein der Heldin aufhört und ihr Leben als politische Figur anfängt, und damit blendet Besson genau denjenigen Teil aus, der sie als Mensch greifbar machen könnte. Und damit ist die Richtung klar: Es wird eine Heiligenlegende mit statischen Figuren ohne Hintergründe, von Abgründen ganz zu schweigen. Der Ehegatte hat nicht viel zu tun, aber ist mit David Thewlis brillant besetzt und eigentlich die interessanteste Figur des Films. Die Söhne sind Stichwortgeber und bekommen nur zwei Betriebsarten freigeschaltet, nämlich »gutgelaunt« und »besorgt«. All das ist durchaus unterhaltsam, gut und böse sind wunderbar klar sortiert, die Kamera ist toll, die Musik drückt auf die Tube, Michelle Yeoh in der Hauptrolle kennt nur einen einzigen Ausdruck, egal, man ist geneigt, sie trotzdem irgendwie gut zu finden, weil sie ja Michelle Yeoh ist, aber irgendwann kommt aus heiterem Himmel die tödliche Assoziation: Das könnte genausogut Iris Berben sein, die da als starke Frau ihren Weg geht. Und in dem Moment läßt die Begeisterung dann doch stark nach. 2012-04-05 14:31

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #66.
© 2012, Schnitt Online

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