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Iron Sky

FIN/D/AUS 2011. R: Timo Vuorensola. B: Michael Kalesniko, Johanna Sinisalo. K: Mika Orasmaa. S: Suresh Ayyar. M: Laibach, Ben Watkins. P: 27 Films Production, Blind Spot Pictures Oy, New Holland Pictures. D: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier, Christopher Kirby, Tilo Prückner, Stephanie Paul, Peta Sergeant, Kym Jackson u.a.
93 Min. Polyband ab 5.4.12

Krautpfunding

Von Jakob Stählin Sieht man sich als Unbeteiligter Heiko Thies’ Star Wars-Fanfilm Die Invasion II – Kampf um Bremen an, so wird man wenig Freude daran haben – das Ding dauert immerhin 97 Minuten. Weiß man aber, daß Thies über viele Jahre in akribischer Kleinarbeit die Effekte am heimischen Rechner erstellt hat, kommt man nicht umhin, beeindruckt zu sein. Plötzlich bekommen die offensichtlichen Schwächen der Produktion (Schauspiel, teils nicht sauber pointierte Gags, maue Kostüme und oft arg simple Wohnzimmersets) eine sympathische Note. Überhaupt ist völlig klar, daß es hier um die Freude an Effekten und am simplen Machen geht; und natürlich um den Traum eines jeden Jungen, mal einen Stormtrooper mit einem Laserschwert wegzuhauen.

Mit dem Amateurblockbuster Star Wreck hat Timo Vuorensola genau dasselbe getan und mit ein paar Millionen Downloads so was wie einen Erfolg gefeiert. Doch dann machte er Ernst und entwickelte, angesoffen mit ein paar Kumpels, die Idee von Nazis auf dem Mond, die eine Invasion der Erde vorbereiten. Klingt super und sah auch im ersten Teaser großartig aus. Dann wurde durch die altbekannten Strukturen des Internets ein Riesen-Bohei um die Sache gemacht, der User durfte mitbezahlen und auf Facebook über Plakatentwürfe abstimmen.

Dieser werbetechnisch geschickte Vorlauf ist ein Glücksfall für das gesamte Filmteam, denn es kann nun hoffen, daß die Masse sich ob des Zugehörigkeitsgefühls Iron Sky schönreden wird. Das Interessanteste an diesem völlig gescheiterten Film ist tatsächlich die Frage, wie es möglich war, aus der so explosiven Grundidee einen solch biederen Langweiler zu machen.

Blickt man vergleichend etwa auf Robert Rodriguez’ aktuellen Trash, der auch das Problem, sich seiner Natur ganz klar bewußt zu sein, kompensieren muß, stellt man dennoch fest, daß Machete in manchen und Planet Terror gar in nahezu allen Szenen ganz prächtig funktionieren. Man merkt ihnen die Liebe zum Absurden an. Vor allem aber zum Kino, und das zeichnet wahre Freunde des Genrefilms eben aus, auch wenn fälschlicherweise oft angenommen wird, daß diese sich den ganzen Trash lediglich ansehen, um ihren zynischen Humor anzuregen und somit ein paar schnelle, unkonventionelle Lacher zu bekommen. So wie viele Vorurteile ist dies freilich nicht grundfalsch, doch ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Jene Filme, auch heute noch auf DVD, VHS, in Mitternachtsscreenings oder sonstwie verfügbar, sind nicht selten gespickt mit absurden Ideen, kreativ handgemachten Effekten wie selbstgebackenen Körperteilen und tollen Synchronisationseinfällen. So offenbaren diese Filme durchaus gleichermaßen interessante Aspekte wie manch hochgelobtes Stück Autorenkino. Und natürlich sind sie oft schlicht saukomisch. Iron Sky läßt diese Liebe am Machen völlig vermissen und erstickt seinen guten Ansatz in ängstlichen Kompromissen.

Wen B-Movies ernsthaft interessieren wird Iron Sky langweilen, denn als der Abspann den ernüchterten Zuschauer endlich entläßt, fällt es schwer, dem eigentlich durchaus sympathischen Projekt auch nur ein einziges gutes Wort nachzusagen. Dabei kann Vuorensola handwerklich was, aber durch das vergleichsweise hohe Budget von siebeneinhalb Millionen Euro sind die Effekte deutlich über der sympathischen Schrottgrenze und freilich unter dem Standardsatz, den tatsächlich beeindruckende Blockbusteranimationen jenen Schlags benötigen, die Vuorensola hier etwas uninspiriert zu imitieren versucht.

Das ist die Krux des gesamten Projekts. Niemand schien wirklich genug gefordert, um unter unsäglichen B-Movie- Bedingungen etwas Eigenes abzuliefern, sondern Iron Sky wurde um ein solides Budget herumgebaut – inklusive des absolut mißglückten Drehbuchs. Wir sprechen also von einem stinknormalen Filmprojekt, das weder durch absurde Einfälle noch durch Grenzüberschreitungen oder gar unerwartete Brillanz besticht. Iron Sky sind extrem zähe 90 Minuten gefüllt mit lahmen Gags, politisch korrekten, handzahmen Mondnazis, die folglich keine Nazis sind, und wartet mit völlig verkorksten Auftritten ansonsten durchaus fähiger Mimen wie Tilo Prückner oder Udo Kier auf, die einem Leid tun können, daß sie derart mies pointierte Dialoge aufsagen müssen. Schade, das hätte was werden können. 2012-04-05 13:55

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