— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

The Liverpool Goalie

Keeper'n til Liverpool. N 2010. R: Arild Andresen. B: Lars Gudmestad. K: Gaute Gunnari. S: Jon Endre Mørk. M: Aslak Hartberg. P: 4 1/2 Film. D: Ask von der Hagen, Susanne Boucher, Mattis Asker, Andrine Saether, Jostein Brox, Tore Sagen, Kyrre Hellum, Kåre Conradi u.a.
87 Min. Drei-Freunde ab 15.3.12

Meister der Herzen

Von Natália Wiedmann Jo ist Zucker. Adorkable wie Indie-Ikone Zooey Deschanel als New Girl – und wenn ein Kinderfilm indie ist, dann dieser. Nicht nur im Sinne der »Independent-Kinderfilme«, für die Otti Filmotter auf Stimmenfang geht, experimentierfreudige Filme ohne (bekannte) Romanvorlage, sondern indie in der diffusen Verwendungsweise einer musikorientierten Szene. Hier mehr Pop als Rock, Seabear statt Strokes, in warmen Farben mit kräftigen Farbakzenten und einem optimistischen Grundton, hört und sieht man gleich. Dann nämlich, wenn in den Eröffnungscredits von The Liverpool Goalie Namen der Darsteller und des Filmteams in buntschraffierten Großbuchstaben erscheinen, während ein banjodominiertes musikalisches Thema erklingt. Zuckerpop, aber voll der überschäumenden Energie, mit der Ida Maria als Teil des Scores die Situation des Protagonisten Jos zu kommentieren scheint: »Find a cure, find a cure for my life«.

Was im Speziellen kuriert werden muß, ist Jos geradezu neurotische Ängstlichkeit, die sich in Fantasieszenarien Bahn bricht. Hier ist der Film in all seiner unverkrampften Leichtigkeit so gewagt und schwarzhumorig, wie man es im deutschen Kinderfilm vergeblich sucht. Seine ungetroffenen Entscheidungen führen Jo in seiner Imagination auch mal in die Dusche eines Männergefängnisses, lassen ihn zu Waffengewalt greifen oder als tütenverpacktes Fischfutter in einem Fluß enden. Meist wird die intradiegetische Fiktionalität durch Jos Voice Over angezeigt, wobei sich die filmische Umsetzung seiner Schilderung selten auf eine bloß redundante Illustration reduziert. Stattdessen resultiert die Komik oft aus dem Spannungsverhältnis von lakonischem Kommentar und teils drastischer Inszenierung, aus dem bildlichen Informationsüberschuß oder schlicht aus der pointierten audiovisuellen Umsetzung. Der Reichtum an intertextuellen Bezügen dieser vorgestellten Katastrophen wird von ZuschauerInnen im Grundschulalter kaum erfaßt und damit auch nicht goutiert werden können, aber auch das ist eine Stärke des Films, führt doch der Versuch, möglichst alle Altersgruppen zu bedienen, oft genug zu unbefriedigenden Ergebnissen. Andresens Spielfilmdebüt konzentriert sich auf die Perspektive seines dreizehnjährigen, introvertierten Protagonisten (mit Ask van der Hagen wunderbar besetzt), ohne sich beim erwachsenem Publikum durch einen eigenen Erzählstrang anzubiedern oder seinen ironisch-bissigen Erzählstil für deren jüngere Sprößlinge zu verharmlosen und vereindeutigen. Trotz der Geheimhaltungen und kleinen Lügen, der Selbstzweifel und der Unsicherheiten, die mit der ersten oder neuen Liebe einhergehen und Haupt- und Nebenfiguren miteinander verbinden, wird der Film dabei nie bedrückend und löst das dem Kinderfilm inhärente Versprechen auf eine positive Botschaft und glückliche Auflösung warmherzig mit kleinen Gesten ein. Indie-Pop eben. 2012-03-15 21:33
© 2012, Schnitt Online

Sitemap