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Viva Riva!

RCB/F/B/ZA 2010. R,B: Djo Tunda Wa Munga. K: Antoine Roch. S: Yves Langlois, Pascal Latil. M: Louis Vyncke, congopunQ. P: Formosa Productions, MG Productions, uFilm, Suka! Productions. D: Patsha Bay, Manie Malone, Hoji Fortuna, Marlene Longange, Diplome Amekindra u.a.
98 Min. Summiteer ab 15.3.12

Kinshasa du Schönheit, Kinshasa du Müllhalde

Von Jochen Werner »Deine Stadt ist der größte Kuhfladen, den ich jemals gesehen habe. Vielleicht hättet ihr besser kolonisiert bleiben sollen«, so schimpft einmal der sadistisch-skrupellose angolanische Gangster über Kinshasa, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo und den Schauplatz von Viva Riva!, nach einer Reihe dokumentarischer Arbeiten das Spielfilmdebüt des kongolesischen Regisseurs Djo Tunda Wa Munga. Und diese Stadt steht auch im Zentrum dieses Films, dem man bei aller Generizität die Vorbildung seines Regisseurs als Dokumentarist anmerkt. Immer wieder wird der Glamour des Gangsterdaseins scharf kontrastiert mit der alltäglichen Armut auf den Straßen der zentralafrikanischen Metropole, neben den Palästen der Bandenbosse steht das florierende, aber überaus ärmliche Leben in den Gassen und improvisierten Bars unter freiem Himmel. Und immer mal wieder fällt plötzlich der Strom aus.

Der Plot ist dabei eine jener Geschichten, die man so ähnlich auch aus Hollywood kennt. Riva kommt mit einer Ladung Schmuggelgut aus Angola nach Kinshasa, wo er sich ein besseres Leben – also Geld, Luxus und Frauen – erhofft. Der lokale Pate Cesar hat jedoch einiges dagegen und ist nur zu gern bereit, seine Ansprüche mit brutalen Argumenten durchzusetzen – und als Riva dann noch dem gockelhaften Azor die Freundin ausspannt, die sich als recht undurchsichtige Femme fatale entpuppt, entwickelt sich die Lage recht brenzlig für ihn. Die Story also ist nicht unbedingt der Grund, warum man Viva Riva! sehen muß. Genrekino aber schaut man ja für gewöhnlich ohnehin nicht des Plots wegen an, und tatsächlich ist Mungas Film überaus sehenswert und sein deutscher Kinostart ein kleines Ereignis. Jene Einblicke in das Leben in eine fremde Kultur nämlich, die das Genrekino dem aufgeschlossenen Zuschauer gewissermaßen im Vorübergehen, und also vor allem unangestrengt, bieten kann, mögen unbedingt reicher sein als die gewollte Vermittlungsleistung des Arthouse-Kinos. Nicht obwohl, sondern gerade weil Viva Riva! eine so simple, klassische Geschichte erzählt, hat sein entspannter Rhythmus und seine Lebendigkeit uns auch viel über Kinshasa zu sagen. 2012-03-12 15:31

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #65.
© 2012, Schnitt Online

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