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Beauty

Skoonheid. ZA/F/D 2011. R,B: Oliver Hermanus. B: Didier Costet. K: Jamie Ramsay. S: George Hanmer. M: Ben Ludik. P: Moonlighting Films, Swift Productions. D: Deon Lotz, Charlie Keegan, Michelle Scott, Albert Maritz, Sue Diepeveen, Roeline Daneel.
98 Min. Pro-Fun ab 8.3.12

Ich liebe dich, ich töte dich

Von Tim Lindemann »I felt like destroying something beautiful« sagt Edward Nortons Figur im Film Fight Club, nachdem er einem Kontrahenten mit bloßen Fäusten das Gesicht zertrümmert hat. Man könnte dieses bedrohliche Zitat dem südafrikanischen Film Beauty, der die verhängnisvolle Obsession des etwa 50jährigen Francois’ mit dem jungen, hübschen Freund seiner eigenen Tochter nachzeichnet, problemlos voranstellen. Francois ist ein ruhiger, ernster Mann, der mit seiner Frau und seiner jüngeren Tochter in einer Kleinstadt lebt. Mit dem gleichen stoischen Ernst, mit dem er tagsüber sein Arbeits- und Familienleben verwaltet, trifft er sich nachts mit Männern seines Alters, um lieblosen, mechanischen Sex zu haben. In der stark konservativ geprägten, weißen Mittelschicht, der Francois angehört, das macht Regisseur Hermanus von Beginn an deutlich, würde ein Coming Out glatten sozialen Selbstmord bedeuten. So findet die verdrängte Sexualität andere, aggressivere Wege: Francois beginnt, dem jungen Christian nachzustellen, bildet sich ein, dieser würde seine Gefühle erwidern. Die düstere, schwelende Stimmung des Films entlädt sich schließlich in einem schockierenden Akt der Gewalt.

Ein großer Teil der Beklemmung, die Beauty beim Publikum auslöst, läßt sich auf die konsequente Übernahme von Francois‘ Perspektive zurückführen: Oftmals beobachtet die Kamera Christian, das »Objekt der Begierde«, aus weiter Entfernung und macht so, in bester Hitchcock-Manier, den Zuschauer selbst zum »Stalker«. Dann wieder ergeht sich Regisseur Hermanus in schier endlosen Einstellungen, die den monotonen Alltag seines Protagonisten portraitieren sollen – zwar durchaus mit Erfolg, aber eben auch auf Kosten jeglicher Dynamik. Interessant ist, wie der Film auf diese Weise ein tristes Bild von Südafrika zeichnet, das im starken Kontrast zu der in Werbung und Mainstream-Film propagierten kunterbunten Lebenslust des Landes steht. Schade, daß Beauty auf Dauer nicht die richtige Balance zwischen der dramatischen Story und der experimentellen Inszenierung findet und so oftmals ermüdend wirkt. 2012-03-05 10:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #65.
© 2012, Schnitt Online

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