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Black Gold

F/Q 2011. R,B: Jean-Jacques Annaud. B: Menno Meyjes. K: Jean-Marie Dreujou. S: Hervé Schneid. M: James Horner. P: Quinta Communications, The Doha Film Institute. D: Tahar Rahim, Antonio Banderas, Mark Strong, Freida Pinto, Riz Ahmed, Akin Gazi, Driss Roukhe u.a.
129 Min. Universal ab 9.2.12

Geistige Umnachtung

Von Robert Cherkowski Als in den 1930er Jahren amerikanische Ölunternehmer aus Texas – woher sonst? – in der unbewohnbaren Steppe des arabischen »gelben Gürtels« auf Öl stoßen, entbrennt die seit Jahrzehnten schwelende Feindschaft zwischen dem weltlich gesonnenen Scheich Nesib (Antonio Banderas) und dem strenggläubigen Sultan Amar (Mark Strong), deren fragiler Waffenstillstand zugunsten von Land, Grundsätzen und Wohlstand an den Nagel gehängt wird. Der verzärtelte Jüngling Auda (Tahar Rahim) gerät alsbald zwischen die Fronten. Als Sohn von Amar und Schwiegersohn von Nesib war er lange Zeit ein Garant für scheinbaren Frieden. Als sich die Situation verschärft, findet sich Auda schnell auf einem Himmelfahrtskommando in der unendlichen Steppe wieder.

Das große Epos nach altem Vorbild sollte es werden. Die bekannte Geschichte von Jungen, die im Angesicht der Gefahr und des Kampfes miteinander und der Natur zu Männern reifen, über sich hinaus wachsen und sich an übermächtigen Vaterfiguren abarbeiten, wird einfach nicht alt. Dazu noch ein bißchen Romantik mit Telenovela-Flair und ein paar Diskurse über Erdöl im Feuer des Krieges und den Islam als kämpferische (doch eigentlich friedliebende) Religion und fertig ist »Lawrence von Arabien 2011«… Sehr früh jedoch muß allen Beteiligten klar gewesen sein, daß die Fußstapfen David Leans doch ein paar Nummern zu groß sind. Geplant war das große Epos alter Schule – heraus kam grandioser Trash von heute. Und was für einer. Dabei wird keine Möglichkeit ausgelassen, sich in den Oasen der unfreiwilligen Komik niederzulassen. Sei es ein Score, aus dem das Schmalz nur so tropft, CGI auf dem neuesten Stand der 1990er, »exotische« Araber-Klischees oder Dialoge, die klingen als wären sie mit dem Zwei-Finger-Such-System in die Drehbuchseiten gestanzt worden. Die Darsteller versuchen, das Debakel mit Humor zu nehmen: Antonio Banderas überschreitet die Grenze zur Parodie schon sehr früh selbstbewußten Schrittes und kommt denkbar unbeschadet davon, und Mark Strong gibt sich größte Mühe, als Amar ein paarmal besorgt dreinzuschauen und fadenscheinige Weisheiten aus dem Floskelkatalog »Tradition und Wandel für Dummies« aufzusagen, ohne zu lachen. Einzig Tahar Rahim (Ein Prophet) dürfte sich ärgern. Nach dem vielversprechenden Karriere-Boost bei Audiard muß es wohl eine Qualitäts-Fata-Morgana gewesen sein, die ihn vor die Linse des Kitsch-Maestros Jean- Jacques Annaud führte.

Und dennoch: Ist die quälende Exposition erst einmal abgewickelt, entfaltet die abenteuerliche Odyssee durch die endlose Wüste einen urigen Charme, die zwar näher an schnell vergessenen Heulern wie Hidalgo als an den großen Klassikern ist und dennoch unterhält, so lange sie dauert. Gute Unterhaltung sieht anders aus. Unterhalten ist man dennoch. Black Gold bietet sich für ein Double Feature mit Spielbergs ähnlich vergnüglich-mißlungenen War Horse an – erinnern beide doch daran, daß Schadenfreude kurzweiliger sein kann als Langeweile. 2012-02-05 21:08

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