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Hugo Cabret

Hugo. USA 2011. R: Martin Scorsese. B: John Logan. K: Robert Richardson. S: Thelma Schoonmaker. M: Howard Shore. P: GK Films, Infinitum Nihil, Warner Bros. Pictures. D: Sir Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Asa Butterfield, Chloë Grace Moretz, Ray Winstone u.a.
127 Min. Paramount ab 9.2.12

Histoire d’Un Grand-Œuvre

Von Stefan Jung Jetzt ist also auch zu Altmeister Martin Scorsese der Spieltrieb zur dritten Dimension durchgedrungen. Aber kein Grund zur Sorge, waren doch bereits die Einsätze computergenerierter Bilder in Aviator oder Shutter Island durchdacht und überzeugend in die Gesamtstruktur der Bilder eingebettet. Der Mann, dessen große Liebe schon immer der Film war, ist perfekt für Hugo Cabret, eine virtuos komponierte Reise in die glanzvolle Frühzeit des Kinos.

Scorsese erzählt die Geschichte des jungen Waisenkinds Hugo, der von seinem alkoholsüchtigen Onkel die Aufgabe übernimmt, am Gare du Paris die großen Uhrwerke in Gang zu halten. Eines Tages wird er vom alten Spielzeugverkäufer Papa George beim Klauen ertappt, der ihm daraufhin all sein Eigentum konfisziert, u. a. ein kleines Notizbuch, welches Hugo von seinem Vater geerbt hat. In seinen verzweifelten Versuchen, den persönlichen Besitz zurückzuerlangen, bietet ihm Papa George die Möglichkeit, es sich ehrlich zu verdienen und für ihn zu arbeiten. Begeistert von Hugos Geschick, feinmechanische Sachen zu reparieren, wird der kleine Junge seit langem der erste Freund des alten Mannes. Es beginnt eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit des alten, zunächst unscheinbaren Ladenbesitzers, der in Wirklichkeit ein Pionier des frühen Kinos ist. Mit seinen Filmen hat George Méliès (1861-1938) die Menschen zum Träumen gebracht. Die Bekanntschaft mit Hugo holt den einstigen Magier des Lichts aus seinem selbst gewählten Exil.

Scorsese präsentiert uns in seinem neuesten Werk den Ursprung der schönsten aller Künste. Sein Film ist eine Liebeserklärung in prächtigen Bildern. Die Kamera zieht uns dabei beständig in eine Welt der Faszination und jener filmischen Augenblicke, die man niemals vergessen sollte. Der überlegte Einsatz von 3D leistet hierzu seinen Beitrag, denn bereits bei der virtuosen Eröffnungssequenz nutzt der Film beispielhaft die Möglichkeit, technisch-räumliche Qualitäten mit denen der erzählten Geschichte in Einklang zu bringen. Hugo Cabret ist der schönste Kinderfilm seit langem, aber den jungen Zuschauern dürfte sich sein kulturhistorischer, cineastischer Wert nicht erschließen. 2012-02-04 18:30

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #65.
© 2012, Schnitt Online

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