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Die Mühle und das Kreuz

The Mill and the Cross. S/PL 2011. R,B,M: Lech Majewski. B: Michael Francis Gibson. K: Adam Sikora. S: Eliot Ems, Norbert Rudzik. M: Jozef Skrzek. P: Silesia Film. D: Rutger Hauer, Charlotte Rampling, Michael York, Oskar Huliczka, Joanna Litwin.
95 Min. Neue Visionen ab 24.11.11

Die Mühe um das Kreuz

Von Ekaterina Vassilieva Beziehungen zwischen Film und Malerei sind traditionsreich und vielfältig. Nicht wenige Regiegrößen – darunter Pasolini, Jarman, Tarkowski – haben sich von den Werken der alten Meister zur Erschaffung ihrer eigenen Filmwelten inspirieren lassen. Spätestens seit Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Peter Webber wissen wir, daß der ganze Film auch von einem einzigen Gemälde ausgehen kann, indem er seine Entstehungsgeschichte imaginiert und das statische Bild auf der Leinwand quasi mit Bewegung erfüllt. Gerade das letzte Anliegen dürfte den Zuschauer allerdings schon im Voraus skeptisch stimmen, insbesondere wenn das Projekt – wie im Falle von Die Mühle und das Kreuz von Lech Majewski – unter Berufung auf die neuesten visuellen Technologien und digitalen Effekte beworben wird. Zu groß ist die Gefahr, nur das Oberflächliche zu greifen und somit die hintergründige Bedeutung des Meisterwerks zu verfehlen.

Die Tatsache, daß Majewski für seine Adaptation des Gemäldes Die Kreuztragung Christi von Peter Bruegel d. Ä. das kunsthistorische Buch von Michael Francis Gibson als Vorlage benutzt, dient paradoxerweise eher der Verflachung der Bildbetrachtung als deren Vertiefung. Man erfährt gewiß einiges über die Bedeutung und Funktion einzelner Bildelemente sowie über die historischen Zusammenhänge. Es besteht aber kein zwingender Grund dafür, warum wir uns dies ausgerechnet durch einen Film und nicht durch die Lektüre aneignen sollten. Schließlich bilden diese Informationen normalerweise nicht das eigentliche Ziel der Aneignung eines Kunstwerks, sondern deren Voraussetzung. Der Film von Majewski hinterläßt dagegen den Eindruck, daß danach nichts mehr kommt. Sobald alle Bilddetails entziffert, die erzählten Geschichten nachvollzogen und Figuren im Raum entsprechend verteilt sind ist der Film schon zu Ende. In einer letzten Einstellung wird der Zuschauer zwar in die Säle des Kunsthistorischen Museums Wien eingeladen, wo Bruegels Gemälde heute zu bewundern ist, doch man empfindet das als geradezu überflüssig angesichts aller digitalen Verrenkungen, die das Publikum auf einem ganz anderen Unterhaltungsniveau ansprechen, als das Original.

Somit bleibt trotz der visuellen Reize und dem unbestreitbaren Erkenntnisgewinn der Sinn von Majewskis Werk unklar. Die Mühle und das Kreuz soll offenbar die Qualität eines gut ausgestatteten Lehrfilms mit dem Anspruch eines Kunstfilms verbinden und kann, was nicht überrascht, keine von diesen beiden Erwartungen richtig befriedigen. 2011-11-25 15:14
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