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Endlich

D 2010. R,B,S: Christiane Voss, Katja Dringenberg. K: Hans Rombach. M: Xaver von Treyer. P: Herbstfilm Produktion.
80 Min. X Verleih ab 3.11.11

Something to Do with Death

Von Robert Cherkowski Auch der Tod, das schwarze Nichts, der grimmige Schnitter und die Endstation aller Züge läßt sich trivialisieren. Wer das nicht längst geahnt hat, der weiß es spätestens nach Christiane Voss’ und Katja Dringenbergs Endlich mit Sicherheit. Endlich wirkt wie ein grundlos selbstbewußter Dokumentationsirrlauf durch verschiedene Stile, die einander nicht wirklich zu ergänzen oder zu bereichern wissen. Vom Leichenwäscher über den Totengräber bis hin zu den Organisatoren von Leichenschmäusen kommt jeder zu Wort, dem der Tod das Brot auf den Tisch zaubert. Das Motto lautet: Das Sterben mag tragisch sein, doch es gehört zum Leben, zum Alltag und zum Beruf.

Wäre man dieser Fährte weiter gefolgt, wäre Endlich vielleicht zu einem – zwar nicht originellen, doch zumindest brauchbaren – Doku-Kleinod über den Geschäftszweig Tod geworden. Leider begnügen sich Voss und Dringenberg nicht damit, den durchorganisierten Werdegang der Verstorbenen zu begleiten, sondern wollen auf Teufel komm raus auch noch einen philosophischkünstlerischen Überbau heraufbeschwören, der einen arg bitteren Nachgeschmack hinterläßt. Hier eine Theatergruppe, die in einem Chor die verbürgten letzten Worte von Sterbenden aufsagt und auch das Banalste noch mit basaler Schwere versieht; dort esoterisches Geschwurbel über »Energien« und wohin es sie verschlägt und zwischendurch immer mal wieder ein Kessel Buntes aus dem Phrasenlexikon der Weltreligionen. Viel wird angerissen – nichts vertieft. Speziell das Schindluder, das mit dem Leid der Hinterbliebenen seitens windiger »Trauerbewältigungskurse« oder »künstlerisch ambitionierter« Grabredner getrieben wird, hätte man gern genauer beleuchtet und schärfer kritisiert gesehen. Leider jedoch wird das bissige Potential nicht genutzt und Endlich verkommt zu einer hilflosen Kuriositäten-Revue, in der ein beliebiger Ausschnitt kommentarlos neben dem nächsten steht. Wie bei einem betretenen Leichenschmaus, bei dem ein jeder in sich hineinbrabbelt, ohne dem Anderen zuzuhören, fühlt man sich als Zuschauer nicht nur wenig erhellt, sondern rundum genervt und wartet ungeduldig auf das Ende des Totenzeremoniells. 2011-10-28 17:57

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #64.
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