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Charlotte Rampling: The Look

D 2011. R,B: Angelina Maccarone. K: Bernd Meiners. S: Bettina Bohler. P: Prounen Film.
98 Min. Piffl ab 20.10.11

Rollenspiele

Von Ekaterina Vassilieva Charlotte Rampling gibt gerne zu, daß ihr Äußeres nicht unwesentlich zu ihrem Aufstieg als Filmschauspielerin beigetragen hat. Um so bewundernswerter ist es, daß sie auch heute, im fortgeschrittenen Alter, dank Professionalität und persönlichem Charisma in ihrem Beruf immer noch sehr gefragt ist. Für die Regisseurin Angelina Maccarone Grund genug, sie in einer Dokumentation zu portraitieren. Sie nennt das im Untertitel »Selbstportrait durch andere«, weil der Film ohne Off-Stimme auskommt und die Filmheldin scheinbar eigenständig agieren läßt. Ihre Gedanken darf sie in Monologen sowie in Zwiegesprächen mit Künstlerfreunden zu bestimmten, durch Kapitelüberschriften vorgegebenen Themen (wie »Schönheit«, »Tabu« oder »Liebe«) enthüllen. Dabei möchte Maccarone die Inszeniertheit ihrer Filmwelt gar nicht verbergen und läßt mal einen Kameramann unversehens ins Bild treten oder führt absichtlich das Filmmaterial vor, wo Charlotte ihren Monolog unterbricht, um dem Filmteam spontan Anweisungen zu geben. Paradoxerweise untermauern die selbstreflexiven Kunstgriffe nur den Authentizitätsanspruch des Films, weil Rampling nie wirklich aus ihrer Rolle der unterkühlten Diva herausfällt, was den Gedanken nahe legt, hinter dieser Fassade gäbe es auch nichts weiter zu verbergen.

Die Entscheidung, der berühmten Schauspielerin für anderthalb Stunden die Leinwand ohne ein durchkomponiertes Skript zu überlassen, erweist sich im Übrigen als sehr gewagt. Die abstrakten Begriffe, über die die Regisseurin sie vor der Kamera nachdenken läßt, würden vielleicht eine gute Grundlage für das Interview mit einer Philosophin bilden. Bei Rampling, die in ihren Reflexionen leider nicht über Allgemeinplätze hinausgeht, erweist sich diese Strategie dagegen als wenig wirksam. So bleiben die Hauptattraktionen des Films ihre äußere Erscheinung, die trotz des Alters nichts an Anmut verloren hat, und natürlich die Ausschnitte aus ihren Filmarbeiten, die Maccarone großzügig über den ganzen Film verteilt. So bekommt man einen Eindruck von der Vielfalt und Tiefe der von Rampling gespielten Rollen und möchte am liebsten sofort eine Retrospektive ihres Gesamtwerks sehen. 2011-10-17 17:47

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #64.
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