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Putty Hill

USA 2009. R,B: Matt Porterfield. B: Jordan Mintzer. K: Jeremy Saulnier. S: Marc Vives. P: Hamilton Film Group, Vox3, Putty Hill, LLC. D: Sky Ferreira, Zoe Vance, James Siebor Jr., Dustin Ray, Cody Ray, Charles »Spike« Sauers, Catherine Evans, Virginia Heath u.a.
87 Min. Arsenal Institut ab 29.9.11

Dokumentarfilm spielen

Von Julian Bauer Starre Cadrage, harter Schnitt. Elektrisches Rauschen, das sich mit Grillenzirpen vermengt, unterbrochen von Cello und Hundegebell. Die ersten Einstellungen von Matthew Porterfields Putty Hill zeigen das Haus des, einer Überdosis Heroin erlegenen, Cory aus der Froschperspektive. Dann sein Innenleben: Verwahrlosung, Durcheinander. Diese Stilleben, Momentaufnahmen, werden nichts erklären. Sie stehen als Rahmung am Anfang und Ende des Films: Es sind die Verlassenschaften eines Toten, die keinen Aufschluß bieten.

Putty Hill ist amerikanisches Independent-Kino, allein schon, weil es sich so sehr für trashige Spießigkeit und alternative Lebenskultur interessiert. Putty Hill ist scripted reality, die Schauspieler Laien. Aber hier findet im Gegensatz zu den Formaten des deutschen Privatfernsehens keine Ausstellung der Personen statt; das läßt ihr Spiel umso anrührender werden. So zum Beispiel das Gespräch zwischen Mutter und Großmutter des Verstorbenen, vor laufendem Fernsehgerät. Brüchige, sich verhaspelnde Stimmen vor dem Off einer sich als perfekt vermarktenden Fernsehwelt.

Immer wieder befinden sich die Protagonisten, recht unvermutet, in Interviewsituationen mit dem Mann hinter der Kamera. So wird der Film zu einem Dokumentarspiel, daß auf das Spiel selbst verweist. Denn das Spiel der Schauspieler wird dadurch für das Spielen des Nicht-Spielens unterbrochen. Der plötzlich auftauchende Interviewer aus dem Off ist mehr Erzähler als Realitätsversicherer. Putty Hill wird mit Fragen konstruiert. Corys Onkel, Tätowierer von Beruf, sagt einmal zu einem seiner Kunden: »You bring the skin, I bring the pain.« Für das Verhältnis von Protagonisten und Filmemacher ließe sich keine so eindeutige Aussage treffen. Und damit oszilliert der Film geschickt zwischen Nähe und Distanz. So wie die Kameraeinstellungen auch zwischen Totalen von Menschen in der Natur und Großaufnahmen von fettigen Haaren, Tätowierungen oder schweißglänzender Haut changieren. 2011-09-26 09:09
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