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John Carpenter's The Ward

The Ward. USA 2010. R: John Carpenter. B: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen. K: Yaron Orbach. S: Patrick McMahon. M: Mark Kilian. P: Echo Lake Productions, A Bigger Boat, North by Northwest Entertainment. D: Amber Heard, Danielle Panabaker, Mika Boorem u.a.
88 Min. Concorde ab 29.9.11

Manchmal kommen sie wieder…

Von Werner Busch »The Ward is an old school horror movie from an old school director. I hope you enjoy it.« Mit diesen Worten endete die Videobotschaft von John Carpenter an das Premierenpublikum in Toronto. Und tatsächlich ist dies das präziseste Kurz-Resümee, das man zu diesem Film machen kann. Mehr gibt es nicht zu sagen. Danke für die Aufmerksamkeit!

Eines vielleicht noch: Ganze zehn Jahre sind seit Carpenters letztem Spielfilm, dem wenig geliebten Ghosts of Mars, vergangen. Immer wieder wurden in der Zwischenzeit neue Projekte angekündigt, die aber aus unbestimmten Gründen nie der Development-Hell entkamen, lediglich zwei Beiträge für die Kurzspielfilmreihe Masters of Horror sind zu verzeichnen. Insgesamt beobachtete man einen Regisseur, der scheinbar nicht mehr gewillt ist, die Realisierung eines neuen bahnbrechenden Genre-Meisterwerks überhaupt anzustreben, einen Mann also, der sich damit abgefunden hat, im Altkleiderschrank der Filmgeschichte abzuhängen. Über das Attribut »gutes Handwerk« kam seit Die Mächte des Wahnsinns (1995) keiner seiner Filme hinaus. Daran ändert auch The Ward nichts. Und dennoch ist der Film eine angenehme Überraschung.

Das Setting sind die 1950er Jahre, Carpenters Lieblingsreferenz, unterstrichen durch vereinzelte Fernsehbilder von Shows und Filmen, die sicherlich nicht ohne Bedacht ausgewählt wurden. Ein einziger kleiner Trakt im Flügel einer übergroßen Irrenanstalt. Auch der lange Flur als zentraler Handlungsort und eine kleine Gruppe von Personen, in einer eigenen Innenwelt eingesperrt, sind deutliche Selbstreferenzen. Präziser: Es sind kleine Details, die das Fortbestehen von Carpenters Auteur-Individualismus zeigen. Dazu gehören auch mäßige Kulissen und ebensolche Schauspieler, die aber im Rahmen eines treibenden Drehbuchs oft erstaunlich sinnvoll erscheinen. So auch hier. Vermeintliche, kindliche Befindlichkeiten des Drehbuchs und/oder der schauspielerischen Darbietungen entpuppen sich im sehr schönen Finale des Films als durchaus kalkuliert. Mit gut gesetzten Schockmomenten und deren ansprechender Bebilderung kann The Ward insgesamt als Old-School-Movie durchaus überzeugen.

Dennoch spürt man schmerzlich Carpenters künstlerischen Rückzug. Für seine Filmwelt sind die höchst eigenwilligen, selbstkomponierten Scores von großer Wichtigkeit, die bis zuletzt monotone, ältliche Synthesizerrhythmen in den Mittelpunkt stellten. Das wußte auch schon Ennio Morricone, der mit der Musik zu The Thing betraut wurde und rotzfrech und höchstklug einen minimalistischen Carpenter-Synthie-Soundtrack ablieferte. Erst diese ureigenen Duftnoten machen die Filme auch in ihren Unzulänglichkeiten zu höchstinteressanten, künstlerischen Werken. Dieser spezifische Stallgeruch wäre bei The Ward noch ausbaufähig gewesen. Und dennoch kann man als Freund gealterter Filmwelten oder Regisseure seinen Gefallen daran finden. I hope you enjoy it. 2011-09-26 12:58

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #63.
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