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The Guard – Ein Ire sieht schwarz

The Guard. GB/IRL 2010. R,B: John Michael McDonagh. K: Larry Smith. S: Chris Gill. M: Calexico. P: Reprisal Films, Element Pictures. D: Brendan Gleeson, Don Cheadle, Liam Cunningham, David Wilmot, Rory Keenan, Mark Strong, Fionnula Flanagan, Dominique McElligott u.a.
96 Min. Ascot Elite ab 22.9.11

Rassismus vom Lande

Von Heiko Martens Der Abgrund der Xenophobie kommt mitunter vor allem dort zum Tragen, wo das Fremde, vor dem man Angst zu haben glaubt, zum einen gar nicht so fremd ist oder zum anderen so gut wie nicht vorkommt. Kein Wunder also, daß Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson), Ordnungshüter in der westirischen Provinz, Drogenhandel als das erklärt, was Schwarze und Mexikaner tun. Daß er prompt vermutet, der afroamerikanische FBI-Beamte Wendell Everett (Don Cheadle), der abgestellt wird, ein internationales Drogenkartell auf der grünen Insel auszuheben, müsse wohl den »Projects« entstammen, also dem sozialen Wohnungsbau, aus dem Schwarze nur als Basketballer oder Rapper entkommen. Das größte Problem sind eh nicht die Schwarzen – Ressentiments kann man naheliegender schließlich auch schon gegen die Stadtjungs aus Dublin, die Waliser und natürlich die Engländer ausleben.

Gerry Boyle geht mit dem Neuankömmling aus den USA mit derselben Rotzigkeit um, die er auch in allen übrigen Bereichen seines Lebens walten läßt. Konfiszierte Drogen kann man – nicht zuletzt zur Feldrecherche – auch selbst konsumieren. Boyles neuer Kollege bei der örtlichen Polizei, ein engagierter Jungspund, wird von Natur aus zur Schnecke gemacht. Das Liebesleben wird von einer »Hostessen«-Agentur geregelt. Seine sterbende Mutter bekommt von ihm Alkohol und einen letzten Abend in einem irischen Pub mit entsprechender musikalischer Untermalung serviert. Höchste Zeit also, daß dieses Delirium durch den Kriminalfall aus Übersee aufgemöbelt wird. Auch wenn der Sergeant sich anfangs wehrt – das Schicksal und Boyles dann doch recht korrekte Ader lassen ihm keine Wahl. Zusammen mit dem FBI-Agenten macht er sich auf Verbrecherjagd.

Fragt sich, ob man mit Brendan Gleeson und Don Cheadle im Cast überhaupt sehr viel falsch machen kann. Entschiedene Antwort: Nein. So fokussiert der Film in der Hauptsache die beiden Protagonisten – was fast schade ist, denn vor allem mit Liam Cunningham und Mark Strong ist auch die Gegenseite derart paßgenau besetzt, daß man sich hier noch mehr Zeit hätte lassen können.

Unabhängig davon wartet aber auch das Buch mit einigen hübschen Ideen auf – wenn sich zum Beispiel die gejagten Verbrecher im Gegensatz zur Bodenständigkeit der Ermittler vor allem in philosophischen Diskursen üben oder wenn ausgeführt wird, wieviel Durchschlagskraft kleine Pistolen in großen Unterhosen haben können. Auch das Gespann Cheadle-Gleeson wird mit einigen treffsicheren Dialogen ausgestattet, die in puncto Taktgefühl und Understatement nichts vermissen lassen.

Regisseur und Autor John Michael McDonagh bringt mit The Guard seinen ersten abendfüllenden Spielfilm auf die Leinwand. John Michael ist übrigens der Bruder von Martin, der mit Brügge sehen… und sterben? (2008) ein phantastisch dramatisiertes Kriminalstück vorgelegt hat. Tonfall und Verquickung der Genres haben auch für John Michaels Film Pate gestanden.

Und weil man demnach britisch im weitesten Sinne ist, wird das Ganze nicht bierernst aufgetischt, sondern mit einem Humor, der vom Florett bis zum Vorschlaghammer die komplette Klaviatur zu bedienen weiß. Dazu kommen die Küste und die grünen Wiesen Irlands – und die Figuren atmen Seele, ohne daß es sonderlich viel mehr bedarf.

Der Film ist unter allen Umständen im Original zu empfehlen. Wem dann das eine oder andere entgeht – zumindest das Gälische wird untertitelt. 2011-09-16 14:17

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