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Valerie

D 2010. R: Josef Rusnak. B: Roger Willemsen. K: Benedict Neuenfels. S: Antje Zynga. M: Jessica de Rooij. P: Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft. D: Franka Potente, Stephanie Stumph, Maria Hartmann.
83 Min. Farbfilm ab 22.9.11

Liebesberichterstattung

Von Nils Bothmann »Ich will dir die Liebe erklären wie man den Krieg erklärt« – dies ist einer der ersten Sätze, die Valerie in ihren Camcorder spricht. Die Videokassette soll für ihren im Koma liegenden Freund sein, in dessen Wohnung der größte Teil der Handlung spielt. Doch Valeries Monologe sind doch nicht nur eine Liebeserklärung, sondern auch eine Erklärung dessen, was die Liebe des Paares ausmacht. Graduell verdeutlicht Valerie wie seine titelgebende Protagonistin in ihrem Vorhaben schwankt, entgegen ihres anfänglichen Vorhabens in eine ungewisse Zukunft entschwindet – ungewiß für die Liebe des Paares.

Anfangs könnte man noch an eine Mockumentary oder einen Found Footage-Film, ähnlich wie Blair Witch Project, Diary of the Dead oder Cloverfield, denken. Doch schon bald sind die Bilder nicht mehr Valeries Camcorder und anderen intradiegetischen Geräten wie Überwachungskameras zuzuordnen, eine die Erzählerperspektive einnehmende Kamera filmt Valerie häufig – oft dann, wenn sie sich gerade selbst filmt. Zudem brechen konsequent eingesetzte Verfremdungen den Eindruck des Pseudodokumentarischen auf: Manche Sequenzen sind in Farbe, andere in schwarzweiß, oft wird ein Farbfilter über die Schwarzweißszenen gelegt, kurze Sequenzen sind im Bildformat 2.35:1, während der Hauptteil des Films in 1.85:1 gefilmt ist usw. Valerie ist ein Experimentalfilm, dessen uneinheitlicher Stil die emotionale Verwirrung seiner Protagonistin widerspiegelt. Dabei unterläuft Valerie auch die Zuschauererwartungen: Anfangs wirken manche Monologe Valeries künstlich und eingeübt, doch dann offenbart die extradiegetische Kamera eine Szene, in der Valerie den gleichen Satz mehrfach in ihren Camcorder spricht bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist, womit der Film diese Künstlichkeit als gewollt entlarvt. Ein Metafilm ist Valerie auch, in gleich doppelter Hinsicht: Zehn Jahre hat die Protagonistin in Los Angeles gelebt, will nun jedoch dauerhaft nach Deutschland zurückkehren – und vor zehn Jahren machte Hauptdarstellerin Franka Potente mit Blow den Schritt vom deutschen ins internationale Filmgeschäft.

Genauso könnte Valerie auch den Weg von Regisseur Josef Rusnak beschreiben: Nach einigen deutschen Filmen, unter anderem zwei Schimanski, lieferte dieser vor elf Jahren mit The 13th Floor sein Hollywooddebüt ab, war danach aber mit Werken wie zwei Direct-to-Video-Vehikeln für Wesley Snipes und dem Remake von Larry Cohens It’s Alive vor allem für den DVD-Markt tätig. Insofern mag die Wahl Rusnaks als Regisseur für den Abschluß der Quasitrilogie von Monologfilmen für Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt (nach Mein letzter Film und Ein ganz gewöhnlicher Jude) etwas überraschen. Doch weder Rusnaks Regie noch seine Hauptdarstellerin liefern Anlaß zur Kritik, sondern vielmehr das Konzept an sich: Es läßt sich viel darüber sagen, wie Valerie gemacht ist, doch eine Antwort auf die Frage, was der Film einem sagen soll oder welche Sparte er bedienen will, die fällt schwer. 2011-09-19 16:00

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