— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Gerhard Richter – Painting

D 2011. R,B: Corinna Belz. K: Johann Feindt, Frank Kranstedt, Dieter Stürmer. S: Stephan Krumbiegel. P: Terz Filmproduktion.
101 Min. Piffl ab 8.9.11

Gerhard Richter, Painting

Von Martin Wertenbruch Spätestens seit ihn das Museum of Modern Art, New York im Jahr 2002 mit der umfangreichen Retrospektive »Forty Years of Painting« feierte, kann der 1932 in Dresden geborene Gerhard Richter als bekanntester Maler der Gegenwart bezeichnet werden.

Bereits 1966 erschien im Südwestfunk ein Fernsehbeitrag über den Künstler, der darin sagt, man könne über Malerei nicht sprechen. Wie kann nun ein Film über Gerhard Richter funktionieren, wo doch das Wort so wenig wiegt?

Corinna Belz, die den Künstler bereits für die 2007 erschienene Dokumentation Das Richter-Fenster im Gestaltungsprozeß des Südfensters im Kölner Dom begleitete, hat einen Weg gefunden. Für ihren neuen Dokumentarfilm hat sie Richter von April bis September 2009 in seinem Kölner Atelier bei der Arbeit beobachtet: Gerhard Richter Painting.

Richter befand sich gerade mitten in den Vorbereitungen für die Ausstellung »Gerhard Richter. Abstract Paintings« bei Marian Goodman in New York. Hier setzt der Film an. In Richters Atelier in Köln Hahnwald schaut Corinna Belz ihm bei der Arbeit zu, mit beweglicher Kamera, die von nun an den Schaffensprozeß begleiten wird. Dazu gehören auch die beiden Assistenten Richters, Norbert Arns und Hubert Becker, die unter anderem die Farben vorbereiten. Das sei besonders wichtig für die Arbeit mit den großen Rakeln: »da dürfen keine Klümpchen drin sein«. Sie sind es auch, die Bilder abfotographieren und daraus Miniaturen im Verhältnis 1:50 erstellen, mit denen Ausstellungen an Modellen geplant werden. Corinna Belz nutzt diese Miniaturen, um Richters Œuvre Rechnung zu tragen, ohne sich dabei von der Gegenwart und vor allem vom Arbeitsprozeß des Künstlers zu entfernen.

Für die Ausstellung wollen noch zwei Bilder gemalt werden. Gerhard Richter beginnt mit einem leuchtenden Gelb. Man sieht ihn ansetzen, hört das satt-schmatzende Geräusch des breiten Pinsels. Die beiden Leinwände hängen mit einer Flügeltürbreite Abstand nebeneinander. Richter arbeitet sozusagen parallel daran. Es macht den Anschein, als taste er sich an die Wirkung der Farbe heran. Die konzentrierte Kommunikation des Malers mit seinen Bildern wird in ruhigen Einstellungen deutlich; mal distanziert, mal ganz nah. Stumme Arbeitseinstellungen wechseln mit Kommentaren Richters ab, der dann doch versucht, Worte dafür zu finden, wenn auch karge: »Schwierig. Könnte’n bißchen besser sein.« Er schaut die beiden Bilder an: »Der ist ja’n bißchen schöner, der zweite.« »Aber warum?«, fragt Benz. Die Filmemacherin geht sehr behutsam vor auf der Suche nach der Entscheidung des Künstlers, wann etwas gut ist und damit fertig. Das ist ein komplizierter Prozeß. Zu seinem Assistenten sagt er einmal: »Vielleicht bleiben die diesmal so bunt. Nicht nur so grau.« Dabei schmunzelt er. Hubert Becker lacht: »Ich glaub’s nicht!« Richter weiter: »Nee! Aber schade ne? Ist doch vielmehr angesagt.« Und er fügt hinzu: »Draußen, in der Welt.«

Draußen in der Welt ist Gerhard Richter ein Star. Aufnahmen bei Ausstellungen in Köln und London deuten an, wie sehr er im Rampenlicht steht – und welches Unbehagen sich dabei mitunter bei ihm einstellt. Ein Unbehagen, welches ihn draußen, aber auch oder gerade im Prozeß des Malens ereilen kann. Das Schlimmste, sagt er, sei, wenn sich ein Gefühl der Aussichtslosigkeit einstelle: »daß ich das hier kann. Das mit dem Malen, mit dem Beobachten.«

Der weltweite Erfolg spricht dafür, daß er es kann. Neben einer eleganten Montage, die dem graphischen Sujet Rechnung trägt, beeindruckt an Corinna Belz Film vor allem, wie der Schaffensprozeß und dabei auch das Spannungsverhältnis von Gerhard Richter und seinen Bildern nachvollziehbar wird. 2011-09-12 12:27
© 2012, Schnitt Online

Sitemap