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Taste the Waste

D 2011. R,B: Valentin Thurn. K: Roland Breitschuh. S: Birgit Köster. M: Pluramon. P: SchnittstelleKöln, Thurn Film.
90 Min. W-film ab 8.9.11

Faule Eier und Tomaten

Von Carsten Tritt »Weil es in der EU verboten ist, Speisereste und Supermarktabfälle als Tierfutter zu nutzen, müssen fünf Millionen Tonnen Getreide zusätzlich angebaut werden. Das entspricht der Ernte von ganz Österreich,« verrät uns eine Texttafel. Schlimm. Aber hat dieser freundliche Herr aus Japan nicht vor ein paar Minuten in einem Nebensatz kurz fallen gelassen, dieses Verbot habe irgendwas mit einer Seuchengefahr zu tun? Leider hat der Film dann doch nicht die Zeit, auch noch darauf einzugehen. Werden schon nicht so gravierend sein, die paar kleinen Seuchen. Jedenfalls, so teilt es eine andere Texttafel mit, kann das Essen, welches in Europa und Nordamerika weggeworfen wird, alle Hungernden der Welt dreimal sättigen. Im Internettrailer war es noch zweimal, allerdings ohne Nordamerika. Und im Presseheft behauptet der Regisseur plötzlich: »Die einzigen, die belastbares Zahlenmaterial haben, sind die Österreicher und die Engländer.« Aber woher weiß die Texttafel dann, wieviel Europa insgesamt wegwirft, und daß das genau doppelt so viel ist wie in den USA und Kanada zusammen?

Taste the Waste wirbt für einen bewußten Umgang mit Lebensmitteln, das ist lobenswert. Anders als We Feed the World und Unser täglich Brot reiht Valentin Thurns Film aber ohne inhaltlich fundiertes, geschweige denn künstlerisches Konzept lustlose Beispiele für das immergleiche Problem aneinander: Zur Versorgung von Millionenbevölkerungen mit breitem Angebot werden Naturprodukte industriellen Normen unterworfen. Gut, man könnte auf Konserven und Tiefkühlkost zurückgreifen, die wären dann einfacher transportierbar und länger haltbar, aber darauf kommt der Film seltsamerweise nicht. Alsdann folgt schon die richtige Lösung, bei der auch mal der Kameraschwenk auf das süße Baby der Biomarktbesucherin über argumentative Dürftigkeit hinwegtäuschen muß. Selbst die Tonmischung ist sich nicht zu schade, zum weggeworfenen Fisch dezentes Brandungsrauschen einzuspielen. Spätestens aber wenn der Zuschauer das nichtgegessene Brötchen einsam und verlassen auf dem Abfallhof liegen sieht, darf er sich fühlen wie in einer Realverfilmung von »Stulli, das Pausenbrot« als Sozialmelodram. 2011-09-03 09:57
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