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Mein bester Feind

A/L 2011. R,B: Wolfgang Murnberger. B: Paul Hengge. K: Peter von Haller. S: Evi Romen. M: Matthias Weber. D: Moritz Bleibtreu,Georg Friedrich, Ursula Strauss, Marthe Keller, Udo Samel, Rainer Bock, Uwe Bohm, Karl Fischer, Hans-Michael Rehber, Merab Ninidze u.a.
109 Min. Neue Visionen ab 1.9.11

Ein schlechter Witz

Von Ireneusz Radko Und immer wieder aufs Neue stellt sich die Frage: Darf man über Nazis lachen? Auf den Vergleich zu den großen Vorbildern Lubitsch oder Chaplin in einem Interview angesprochen, verteidigt Regisseur Wolfgang Murnberger den Humor in Mein bester Feind, welcher aufgrund der eher realistischen Herangehensweise an das historische Thema Nationalsozialismus subtiler ausfalle. Von dieser Subtilität – oder von Humor – merkt man in der ersten Hälfte des Films wenig. Vor politischem Hintergrund läßt der Streit um ein wertvolles Gemälde zwei langjährige Freunde, Victor Kaufmann (Moritz Bleibtreu) und Rudi Smekal (Georg Friedrich), der eine jüdischer Kunsthändler, der andere frisch bei der SS gelandet, zu Feinden werden. Murnbergers Gespür für bitterbösen Humor – hiervon zeugen seine brillanten Verfilmungen der schwarzhumorigen Krimis von Wolf Haas – blitzt erst nach dem im Prolog vorweggenommenen Flugzeugabsturz auf, bei dem die beiden Protagonisten ihre Identitäten tauschen. In der Kleidung des jeweils Anderen steckend, kommt es zu den wenigen pointierten Szenen der Verwechslungskomödie.

Einzelne Momente – wie sich etwa Victor in der neuen Uniform bewundert – besitzen Potential für eine gelungene Satire, doch Murnberger scheint der Mut zu fehlen, aus Paul Hengges (Dreh-) Buch »Wie es Victor Kaufmann gelang, Adolf Hitler doch noch zu überleben« mehr zu machen. Zu groß ist der Respekt oder die Angst vor der heiklen Thematik. Er selbst gestand ein, daß es höchstens für eine Tragikomödie reichen würde. Herausgekommen ist dabei jedoch nichts Halbes und auch nichts Ganzes. Für eine Komödie fehlt es an Witz, und als ernstzunehmender dramatischer Stoff überzeugt Mein bester Feind ebensowenig. Zu vorhersehbar und glatt verläuft das Duell der Kontrahenten um den MacGuffin. Während Lubitsch und Chaplin den Bogen schlagen zwischen einer dramatischen und einer komödiantischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, scheint der bissige Humor Murnbergers hingegen in offen fiktiven Stoffen besser aufgehoben. Dieser maue Kostümschinken verkürzt jedenfalls nicht die Wartezeit auf die nächste Wolf-Haas-Adaption. 2011-08-29 13:59

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #63.

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