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What A Man

D 2011. R,B,D: Matthias Schweighöfer. B: Doron Wisotzky. K: Bernhard Jasper. S: Olivia Retzer. P: Fox International Productions, Pantaleon Films. D:  Sibel Kekilli, Elyas M'Barek, Mavie Hörbiger, Milan Peschel, Thomas Kretschmann, Lilay Huser, Nora Jokhosha, Theresa Underberg u.a.
94 Min. Fox ab 25.8.11

Gag-Recycling

Von Arezou Khoschnam Matthias Schweighöfer ist nicht nur ein sehr talentierter und zu Recht mehrfach ausgezeichneter Schauspieler, sondern gehört auch zu den Menschen, die von Haus aus große Sympathieträger sind. Da stellt sich natürlich sofort Vorfreude ein, wenn man hört, daß der blonde Lockenkopf mit dem Bubi-Charme zum ersten Mal auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Frei nach dem Motto »ein potenzierter Schweighöfer kann nur Gutes bedeuten« steigt die Vorfreude, wenn dann auch noch laut wird, daß er in seiner Komödie selbst die Hauptrolle übernommen hat und daneben zusätzlich noch als Co-Autor und Co-Produzent fungiert. Inhaltsangabe und Besetzung verzücken gleichermaßen. Sibel Kekilli, Elyas M'Barek und Mavie Hörbiger gehören allesamt zum deutschen Schauspielnachwuchs, von dem man gerne mehr sehen möchte. Ein wenig befremdlich sieht man zwar der Mitwirkung von Thomas Kretschmann – sonst Spitzenkandidat für eher schwierige Rollen – in einem Film des humoristischen Genres entgegen, doch tut das der vorangehenden Euphorie vor dem Kinobesuch keinen Abbruch. Schließlich geht es bei What A man um ein Thema, mit dem wir alle etwas anfangen können: Der Mann als krisengebeutelte Spezies, die im postmodernen Geschlechterkampf vergessen hat, wo sie hingehört.

Im Mittelpunkt steht der 30jährige Lehrer Alex, der von seiner Freundin erst betrogen, dann verlassen und schließlich aus der gemeinsamen Wohnung geworfen wird, um mit dem »Neuen« zusammenzuziehen. Sodann beginnt Alex an seiner eigenen Männlichkeit zu zweifeln und stellt sich die Frage, was das wahre »Mannsein« eigentlich ausmacht.

Wenngleich bis hierhin der Humor schon platt und derb daherkommt, hat Schweighöfer durchaus noch die Chance, die kreativen Möglichkeiten zu nutzen, die sich aus der Ausgangssituation ergeben. An dieser Stelle jedoch schnappt die Remake-Falle zu und verwandelt Schweighöfers Erstling mehr oder weniger in einen Kopierautomaten.

Von seinem Machokumpel – Elyas M'Barek in seiner Paraderolle – bekommt Alex ungefragt Baggertipps, deren Umsetzung – natürlich! – alle nach hinten losgehen, während er nach und nach feststellt, daß er für seine beste Freundin – welch Überraschung! – doch mehr empfindet als er bislang dachte.

Diese Wendung haben wir nunmehr erwartet, schließlich sind wir keine jungfräulichen Komödien-Gucker mehr. Die Vorhersehbarkeit eines Drehbuchs an sich allerdings mindert nicht zwingend die Qualität eines Films als Ganzes, erzählen Filme doch fast immer alte Geschichten in einem neuen und anderen Gewand. Hier aber werden über anderthalb Stunden lang eine Kette von schon zig Mal dagewesenen Gags durchgekaut, von denen keiner wirklich zünden mag, so daß wir in jeder Szene die Pointe bereits vor ihrem eigentlichen Auftritt kennen. Dank der Ausleuchtung ist der Film rein visuell zwar durchaus nett anzusehen, doch das Setting erinnert teilweise stark an Til Schweigers Hitkomödien Keinohrhasen und Zweiohrküken, in denen Schweighöfer ebenfalls mitgewirkt hat. Sicher, der Cast von What A man liefert insgesamt eine solide Leistung ab, doch bei keiner Figur will sich eine Nähe zum Zuschauer aufbauen. Die Figuren versprühen keinen Charme, sondern bewegen sich schablonenhaft im rigiden Drehbuchrahmen, der sie in ein Text-Korsett zwängt, wodurch dem Zuschauer die Luft zum Lachen und zeitweise auch die Lust am Zuschauen genommen wird.

Neben all der Kritik sollten wir jedoch nicht vergessen, daß wir es mit einem Debütanten zu tun haben. Seien wir also nicht zu hart und sehen das Ganze mal von der positiven Seite: Als Regisseur und Autor kann Matthias Schweighöfer im Grunde nur besser werden. Und falls nicht, kann er sich wieder voll und ganz der Schauspielerei widmen. Sehr zu unserer Freude, denn in dieser Kunst hat es Schweighöfer ganz eindeutig nicht nötig, irgendjemand zu kopieren. 2011-08-24 20:15
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