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Cowboys & Aliens

USA 2011. R: Jon Favreau. B: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby. K: Matthew J. Libatique. S: Dan Lebental, Jim May. M: Harry Gregson-Williams. P: Imagine Entertainment, DreamWorks, Platinum Studios, Fairview Entertainment. D: Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine u.a.
118 Min. Paramount 25.8.11

Die meinen das ernst: Cowboys & Aliens

Von Jesko Jockenhövel An der Kinokasse muß man sich demnächst echt konzentrieren. Nicht Monsters vs. Aliens, nicht Alien vs. Predador, sondern Cowboys & Aliens steht auf dem Programm. Immerhin gibt es hier echte Schauspieler in den Hauptrollen im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen. So kann man immer noch sagen: Der Film mit Harrison Ford. Oder der mit Daniel Craig. In einem Film von Jon Favreau. Wer gleich? Der hat die recht ordentlichen Iron Man-Filme gemacht. Da kann man doch einiges erwarten. Indiana Jones und James Bond in einem Film zum Beispiel und Cowboys und Aliens werden sicherlich auch vorkommen. Aber warum eigentlich nicht Cowboys vs. Aliens? Die werden sich doch hoffentlich schlagen? Keine Angst, tun sie auch und zwar recht ausgiebig.

Alles beginnt mit einem Namenlosen (Daniel Craig), dem im sehr Wilden Westen sein Gedächtnis abhanden gekommen ist, der in einer Wüste aufwacht und ein seltsames, fest sitzendes High Tech-Armband an seinem Handgelenk findet. Nachdem er seine Kampfkünste an drei Halunken demonstriert hat, die er anscheinend nicht vergessen hat (also die Kampfkünste), macht er sich auf in das nächste Westernstädtchen mit dem Namen »Absolution«. Hier passieren drei wichtige Dinge, um dann die Exposition abzuschließen. Der Rinderbaron Woodrow Dolarhyde (Harrison Ford) kommt in die Stadt und erkennt den Namenlosen als den Bandenführer Jake Lonagan, der ihm eine große Menge Gold gestohlen hat. Als Jake zu fliehen versucht, stoppt ihn die mysteriöse Ella, die vorher ein auffallendes Interesse an Jake und dessen Armband gezeigt hat. Dolarhyde verlangt Jakes Auslieferung, doch plötzlich greifen, drittens, außerirdische Raumschiffe die Stadt an und Jake entdeckt, daß er das Armband als tödliche Waffe verwenden kann. Da die Außerirdischen einige Einwohner der Stadt verschleppt haben, macht sich die Gruppe an die Verfolgung. Ob es nun Nazis, Außerirdische oder Saurons Truppen sind – die äußere Gefahr schweißt halt die größten Feinde zusammen.

Das Genremixing hat in Hollywood Tradition. Im Rahmen der Blockbuster-Filme kann man schon von einem Meta-Genre sprechen, mit dem Ziel, möglichst große Zuschauerschichten anzusprechen. Für jeden sollte etwas dabei sein. Auch wenn er nicht der erste Film ist, der Science-Fiction und Fantasy und das Western-Genre zusammenbringt – man denke an so schöne Beispiele wie Jesse James Meets Frankensteins Daughter (1966) oder auch Wild Wild West (1999) – sieht man sich doch immer noch einer ungewohnten Mischung gegenüber. Schließlich ist der Western allein chronologisch rückwärts und der Science-Fiction in die Zukunft ausgerichtet. Die Lösung für das Paradox war in der Regel eine Recht ironische Herangehensweise. Die fehlt in Cowboys & Aliens leider völlig. Das ganze ist ernst gemeint. Regisseur Favreau kündigte den Film als einen Mix aus einem Sergio Leone- oder John Ford-Film mit einem wirklich unheimlichen Film wie Alien oder Predator an. Nur leider ist der Film kein bißchen unheimlich und vom Verständnis des Western-Genres á la Leone oder Ford ist er meilenweit entfernt, sozusagen jenseits der »frontier«. So erschöpft sich Cowboys & Aliens in einer Reihe von Western-Standardsituationen, die kein Klischee auslassen, und erzählt uns weder etwas über das Western-Genre noch über den Science-Fiction-Film. Damit ist es allein die Starpräsenz von Harrison Ford, Daniel Craig und Olivia Wilde, die die knapp zwei Stunden noch einigermaßen zügig verstreichen lassen.

Man kann den Fortsetzungswahn und Rückgriff auf Standardformeln innerhalb des Blockbustersystems beklagen. Das eine oder andere gelungene Beispiel wie die Spider-Man-Reihe oder die Herr der Ringe-Trilogie läßt sich ja durchaus trotzdem finden. Cowboys & Aliens bedient sich jedoch ohne Originalität an Star Wars über Indiana Jones bis Independence Day. Vielleicht traut man sich einfach nur auf bewährte Formeln zu setzen. Wenig beleuchtet wurde allerdings bisher die Rolle, die die San Diego Comic Con, die größte amerikanische Convention für Fantasy und Science-Fiction mit über 130.000 Teilnehmen im vergangenen Jahr, innerhalb des Hollywoodsystems spielt. Für Hollywood-Blockbuster ist es zum Muß geworden durch Trailer und Vorabpräsentationen, Filmkonzepte auf der Comic Con auf ihre Marktchancen zu überprüfen. Auch Cowboys & Aliens wurde dort bereits ein Jahr vor Kinostart vorgestellt. Einige Tausend meist jugendliche Science-Fiction und Fantasy-Fans üben so einen erheblichen Einfluß auf die Hollywood-Produktion aus. Nicht immer zum Vorteil, wie dieser Sommer der mißglückten Blockbuster mit unter anderen Fluch der Karibik 4, Transformers 3 und Cowboys & Aliens zeigt. 2011-08-19 12:24
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