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Crazy, Stupid, Love

USA 2011. R: Glenn Ficarra, John Requa. B: Dan Fogelman. K: Andrew Dunn. S: Lee Haxall. M: Christophe Beck, Nick Urata. P: Carousel Productions. D: Steve Carell, Ryan Gosling, Julianne Moore, Emma Stone, Analeigh Tipton, Jonah Bobo, Marisa Tomei, Kevin Bacon u.a.
118 Min. Warner ab 18.8.11

Für die Liebe leiden

Von Nils Bothmann In Romanzen geht es häufig um unerwiderte Liebe, was nicht weiter verwundert, denn ein Drehbuch lebt von Konflikten – fände sich das Paar zu schnell, dann wäre der Stoff nur noch für einen Kurzfilm gut. Doch kaum ein Film bringt die (durchaus realistischen) Komplikationen unerwiderter Liebe so pointiert auf den Punkt wie es bereits der Auftakt von Crazy, Stupid, Love tut: Cal Weaver erfährt beim romantischen Dinner von seiner Frau, daß diese die Scheidung will. Daheim schmachtet die 17jährige Babysitterin sein Foto an, kurz darauf gesteht ihr Cals 13jähriger Sohn wiederum, daß er in sie verliebt ist. Auf der Rückfahrt vom Restaurant wirft sich Cal aus dem Auto, als seine Frau ihm noch erzählt, daß sie mit einem Arbeitskollegen geschlafen hat – der nun in sie verliebt ist, wie wir später erfahren. Liebe mag manchmal dumm oder verrückt sein, vor allem aber bringt sie Menschen dazu, verrückte oder dumme Dinge zu tun, so die titelgebende These von Crazy, Stupid, Love.

Weitere Hauptfiguren des Films sind Hannah, die nach Jahren an der Beziehung zu ihrem biederen Langweilerfreund zweifelt, und Profiaufreißer Jacob, der den zum Single-Dasein gezwungenen Mittvierziger Cal zu seinem Protegé ernennt. Wie bei ähnlich gearteten Ensemblestücken wie Er steht einfach nicht auf dich oder Tatsächlich… Liebe sind die einzelnen Figuren und Geschichten miteinander verzahnt, hier sogar recht kompakt, was Crazy, Stupid, Love für gleich zwei meisterlich inszenierte Plottwists nutzt, die jeweils in burlesken Einlagen enden. Erfreulich ist dabei, daß Glenn Ficarra und John Requa ihren Figuren tiefste Sympathie entgegenbringen, auch Fehler als menschliche Eigenschaften ansehen und die Protagonisten nicht zum Ziel von Spott machen: Selbst Cals zahlreiche Pannen werden nie zu einem ätzenden Peinlichkeitsmarathon, sondern zeugen vom tiefstem Mitgefühl für den Underdog.

Trotz gelegentlicher Überzeichnungen und Witze unterhalb der Gürtellinie gibt sich Crazy, Stupid, Love als durchaus realistische Beziehungskomödie, lebt von teilweise famosen Dialogen und der groß aufspielenden Besetzung: Steve Carell als sympathischer Verlierer, Julianne Moore als Ehefrau in der Midlife-Crisis und Emma Stone als natürliche Schönheit abseits der von Hollywood gern gepflegten Barbiepuppen-Ideale. Ein weiterer Gewinn ist Indie-Darling Ryan Gosling, hier als ungewohnt auf die perfekte Oberfläche bedachter Yuppietyp, dessen »Sanierungsarbeiten« an Cal zu einem Fest der Pointen werden, das auch mit popkulturellen Referenzen nicht spart: »Did you just Miyagi me?« fragt Cal seinen Mentor in Anspielung auf das (hier die Generationen umdrehende) Lehrer-Schüler-Verhältnis aus Karate Kid.

Über ungefähr 90 Minuten hinweg ist Crazy, Stupid, Love ein toller Film, auf den jedoch noch weitere 20 Minuten folgen, die einen »nur« guten Film daraus machen: Die Geschehnisse gipfeln in der großen Aussprache am Ende, die dem ätzend auf niedlich getrimmten Sohn viel zu viel Redezeit gibt, infolge derer sich ein Paar versöhnt und ein weiteres endlich den väterlichen Segen ernten kann. Immerhin, allen vier Figuren gönnt man ihr Liebesglück, Babysitterin und Sohnemann gehen im Gegensatz dazu weiterhin getrennte Wege und Crazy, Stupid, Love behauptet sich als wirklich gelungenes wie pointiertes Beziehungsportrait. Nur die Großtat, die er hätte sein können, die ist er nicht geworden. 2011-08-15 12:16
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