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Sound of Noise

S/F 2010. R,B: Johannes Stjärne Nilsson, Ola Simonsson. B: Jim Birmant. K: Charlotta Tengroth. S: Stefan Sundlöf. M: Fred Avril, Magnus Börjeson, Six Drummers. P: Bliss, Nordisk Film, Wild Bunch, dfm Fiktion. D: Bengt Nilsson, Sanna Persson, Magnus Börjeson, Marcus Boij, Fredrik Myhr, Anders Vestergard, Johannes Björk, Sven Ahlström u.a.
102 Min. Tiberius ab 11.8.11

Music for one City and six Drummers

Von Jens Dehn Ein Rentnerehepaar verläßt die Wohnung und geht mit seinem Hund spazieren. Vor der Tür warten bereits fünf Männer und eine Frau auf den Moment, in dem die beiden aus dem Haus kommen. Augenblicklich machen sie sich auf den Weg, verschaffen sich Zutritt zur Wohnung – und beginnen mit allem zu musizieren, was sie in Küche, Schlafzimmer, Bad und Wohnzimmer so vorfinden: vom Mixer über die Klobürste bis zum Staubsauger.

Auf mehr als 30 Festivals waren Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson mit ihrem 2001 gedrehten Kurzfilm Music for one Apartment and six Drummers vertreten. Rund zwei Dutzend Auszeichnungen wurden dabei an sie verteilt, sowohl von Jurys als auch – und vor allem – Publikumspreise.

Der Ruf, der dem Zehnminüter schon nach kurzer Zeit vorauseilte, basiert im Kern auf zwei Faktoren: zum einen der absurd-simplen Grundidee, eine musikalische Guerilla-Attacke auf eine Wohnung zu verüben, ohne dem Ganzen auch nur ansatzweise einen tieferen Sinn geben zu müssen. Zum anderen auf der gelungenen Inszenierung und Montage, die dem Zuschauer die irrige Illusion vermittelt, er könne ein solches Konzert – mit nur etwas Übung – vielleicht sogar selbst aufführen.

Doch so hervorragend Simonssons und Nilssons Idee als Kurzfilm funktioniert, so berechtigt schien die Skepsis bei Bekanntwerden, daß die beiden einen von Music for one Apartment and six Drummers inspirierten Langfilm planen. Der 2010 gedrehte Sound of Noise startet jetzt auch in den deutschen Kinos. Und leider bewahrheitet sich, was viele vorab fürchteten: dem Konzept, dessen verknappte, aufs anarchisch Wesentliche konzentrierte Umsetzung zu einem kleinen, subversiven Meisterwerk führte, geht über abendfüllende 90 Minuten die Luft aus.

Die Rahmenhandlung von Sound of Noise ist so uninteressant wie überflüssig. Die – erfreulicherweise noch immer aus den gleichen sechs Mitgliedern bestehende – Percussionisten-Gang hat sich ein neues Ziel gesetzt: Music for one City and six Drummers. Als Instrumente halten diesmal unter anderem Planierraupen, Hochspannungsleitungen und Krankenhauseinrichtungen samt Patienten her. Das läßt sich alles schmissig an und ist in den ersten 30 Minuten teilweise zum Brüllen komisch. Dann kommt jedoch der Punkt, an dem das Tempo verloren geht und auch die musikalischen Attacken selbst nicht mehr den choreographischen Witz zeigen, der sie zuvor auszeichnete.

Vielleicht war die Erwartungshaltung an Sound of Noise einfach zu groß. Für sich alleine sticht er mit seiner ausgelebten Anarchie zweifelsfrei noch immer aus der Masse heraus. Dem Vergleich mit seinem Vorläufer kann er freilich nicht standhalten. 2011-08-11 12:30
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