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Planet der Affen: Prevolution

The Rise of the Planet of the Apes. USA 2011. R: Rupert Wyatt. B: Rick Jaffa, Amanda Silver. K: Andrew Lesnie. S: Conrad Buff IV, Mark Goldblatt. M: Patrick Doyle. P: Chernin Entertainment, Twentieth Century Fox Film Corporation. D: James Franco, Freida Pinto, John Lithgow, Brian Cox, Tom Felton, Andy Serkis, Tyler Labine, David Hewlett u.a.
105 Min. Fox ab 11.8.11

Coming of Ape

Von Heiko Martens »Spoilern« heißt es auf Neudeutsch, wenn dem interessierten Rezipienten durch einen Sekundärtext dermaßen viel verraten wird, daß er sich das Sehen, Lesen und Hören des Originals eigentlich ersparen kann. Ob damit auch der Umstand beschrieben wird, daß dem Werk der Geheimnisverrat selbst innewohnt? Wenn wir in der Mehrheit also wissen, wie es ausgehen wird?

Titanic? Sinkt.
Hitler? Bringt sich um.
Bruce Willis? Ist schon tot.
Na gut, der letzte war gemein.

Nun also Planet der Affen: Prevolution, von dem der geneigte Cineast weiß: Die Affen werden gewinnen. Jedes andere Szenario würde schwerlich erklären, daß Charlton Heston am Ende des Originals am Strand zusammenbricht, in einer herzzerreißenden Mischung aus Wut, Erkenntnis und Moses. Wozu also noch der Terz?

Die Neuauflage erzählt die Vorgeschichte der ursprünglichen Filmreihe, die es immerhin auf vier Fortsetzungen, eine Fernsehserie und ein häufig genug unterschätztes Remake aus dem Jahr 2001 geschafft hat. Planet der Affen: Prevolution tut dies – natürlich oder gerade noch? – mit durchweg dem Computer entstammenden Primaten, selbst in den Bildern, die einen Rückgriff auf die erzählte Spezies zugelassen hätten. Das hierin liegende Risiko, einen hohen Trash-Faktor einzufahren, umschifft der Film in erstaunlicher Weise – von Anfang an spielen diese Menschenaffen die Hauptrolle und man ist vollends geneigt, dieser Strategie zu folgen. Das liegt vor allem daran, daß diese gepixelten Viecher mitunter komplexere Gefühle abliefern als ihre menschlichen Gegenspieler. Erschreckend vielleicht. Vor allem aber ziemlich faszinierend. Koryphäen dieser Technologie sind die Neuseeländer von Weta Digital – und Andy Serkis steckt nach Gollum und King Kong erneut in der Rolle der digitalen Hauptfigur, des Affen Caesar.

Das Drama des Wissenschaftlers Will Rodman (glatt genug: James Franco) tritt hiernach in den Hintergrund. Rodman arbeitet in einem Labor und führt Versuche mit Menschenaffen durch, um für die Krankheiten des menschlichen Geistes eine genetische Lösung zu finden. Dabei hat er auch ganz persönliche Ambitionen: Sein Vater Charles (souverän: John Lithgow) leidet an Alzheimer. Als Rodmans Durchbruch als Forscher während einer Präsentation greifbar ist, kommt es im Labor zu einem folgenschweren Unfall. Das Projekt wird eingestampft und Rodman ist gezwungen, ein wenige Tage altes Schimpansenkind mit nach Hause zu nehmen. Dieses aber hat die durch einen Virus induzierte Intelligenz seiner Mutter geerbt.

Wie der Affe Caesar aufwächst und seine menschliche Umgebung reflektiert, hat für derartiges Event-Kino erstaunlich emotionales Potential, wenn z.B. die Unschuld des kindlichen Tieres auch mit den Schattenseiten menschlicher Gefühle aufgeladen wird. Bald schon überfordert der Affe seinen Herbergsvater und wird in ein »Primaten-Schutzgebiet« gebracht, daß sich als archaisch geführter Knast herausstellt. Das sich anschließende Gefängnisdrama ist präzise und weitgehend wortlos erzählt – die (P)Revolution nur konsequent.

Die in allem mitschwingende Frage, wie weit der Mensch es mit Natur und Wissenschaft treiben darf, fehlt natürlich auch hier nicht. Zum einen jedoch wird sie durch die alleinig figurengetriebene Geschichte erfreulich flach gehalten. Zum anderen wird sie ohne großes Aufhebens beantwortet (Achtung, Spoiler): Wenn die befreiten Affen ihren Weg durch die Wipfel der Alleebäume nehmen und die Menschen verwundert nach oben schauen, weil die Blätter fallen, wird der Herbst der Menschheit in einem einzigen Bild eingefangen. Bis zum Winter dauert es dann nur noch ein rundum gelungenes Finale lang – und ein wenig Epilog im Abspann. 2011-08-05 14:37
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