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Insidious

USA 2010. R: James Wan. B: Leigh Whannell. K: David M. Brewer, John R. Leonetti. S: Kirk M. Morri, James Wan. M: Joseph Bishara. P: Blumhouse Productions. D: Patrick Wilson, Rose Byrne, Barbara Hershey, Lin Shaye, Ty Simpkins, Andrew Astor, Leigh Wannell u.a.
102 Min. Wild Bunch ab 21.7.11

Spuknapf

Von Carsten Tritt Nein, heute schaffe er es nicht, die Kinder abzuholen, sagt Josh. Mutter Lamberts Gesichtszüge vermögen es nicht, den unermeßlichen Schmerz zu verbergen, den ihr die Worte des Gatten zugefügt haben. Doch der schaut längst woanders hin, allein die Kamera hält kurz den Blick, der dem Zuschauer verrät, daß von nun an nichts mehr so sein könne wie es einst war. Jedenfalls dann, wenn man die mimischen Entgleisungen der Darstellerin Rose Byrne ernstnähme; aber die scheint das Leiden um des Leidens willen zu praktizieren und mag somit Trost darin finden, daß ihr das Drehbuch dazu noch reichlich Gelegenheit geben soll.

In Wirklichkeit sind die Lamberts nämlich eine Musterfamilie, stets liebevoll zueinander, und weil sie zum Lachen in den Keller gehen, dauert es auch einige Zeit, bis sie feststellen, daß es auf dem Dachboden spukt. Weil sie zudem recht konservativ sind, verzichtet auch das Übernatürliche auf jegliche filmische Innovation; eines der Hauptmittel bleibt etwa jene vornehmlich in 80er-Gruselfilmen kultivierte, die Protagonisten belauernde, scheinbar subjektive Kamera nebst anschließendem Gegenschuß ins Leere.

Gegen Filmmitte erfolgt ein plötzlicher Bruch, zügig vollzogen in ein paar Minuten. Erst kommt in Gestalt zweier Hilfsgeisterjäger etwas Humor herein. Zwar eher die kleine Schule der Komik, aber wenn man einen halben Film lang mit Byrne gelitten hat, sollten die Ansprüche hinreichend gesunken sein. Dann tritt mit Lin Shaye als Obergeisterjägerin sogar ein souveräner Charakter auf, der gleich eine klare Ansage macht, wer hier weshalb spukt und was die Lamberts gefälligst dagegen zu unternehmen haben (nicht, daß das den Zuschauer hier noch interessiert, aber es schadet halt auch nicht); und hinüber geht es in die Geisterwelt. Außerdem verschiebt sich dankbarerweise der Handlungsschwerpunkt von Mutter Lambert auf Josh. Insidious wird dadurch noch kein guter Film, aber er ist zumindest weniger schlecht als in der ersten Hälfte.

Eine Bemängelung dieses Films wäre jedoch unvollständig, wenn nicht noch seine schweren handwerklichen Übelstände getadelt würden. Mag etwa das Baby Lambert noch aus dem Versuch eines Spannungsaufbaus zu rechtfertigen sein, erfüllt das Mittlere der drei Kinder keinen drehbuchrelevanten Zweck und wurde offensichtlich deshalb aus dem fertigen Film weitgehend herausgeschnitten. Ebenso scheint ein Ticken von Uhr und Metronom, alternierend mit einem EKG-Piepsen, als so etwas wie ein Leitmotiv gedacht gewesen zu sein, um in halbherzig wirkender Inkonsequenz übrigzubleiben. Und der blasse Oberdämon mit seiner schwarzroten Gesichtsbemalung gehört vielleicht auf die Westtribüne des Waldstadions, aber bitte nicht in einen Horrorfilm. So blieb es allein der bösen alten Gespensterfrau vorbehalten, den Rezensenten zumindest etwas mit nostalgischer Milde zu bemanteln, wenn sie, aus unerfindlichen Gründen von einem männlichen Darsteller verkörpert, doch unleugbar an den Rudi Carrell aus Wenn die tollen Tanten kommen erinnert. 2011-07-15 12:53

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