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Source Code

USA 2011. R: Duncan Jones. B: Ben Ripley. K: Don Burgess. S: Paul Hirsch. M: Chris Bacon. P: Mark Gordon Company, Vendome Pictures. D: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright, Russell Peters, James A. Woods, Michael Arden, Cas Anvar u.a.
93 Min. Kinowelt ab 2.6.11

To the Moon and Back

Von Cornelis Hähnel In der Musikwelt lautet eine der gängigsten Erkenntnisweisheiten: »Die zweite Platte ist die schwierigste.« Einerseits muß man geweckte Erwartungen erneut erfüllen, andererseits sieht man sich in seiner Künstlerehre dazu gezwungen, sich weiterzuentwickeln und etwas anderes zu kreieren. Mit der wohlwollenden Überzeugung einer Gleichberechtigung der Künste kann man diese Maxime getrost auf Filme anwenden. Und wahrscheinlich mußte auch Duncan Jones nach seinem Indie-Erfolg und Kritikerliebling Moon einige Musen küssen, um zu schauen, wie es weitergeht. Und Jones hat sich für die große Leinwand entschieden.

Mit Source Code hat er einen Film gedreht, der landläufig in die Kategorie »Hollywood-Kracher« fällt – ohne diesen Begriff per se abwertend zu verwenden. Darin nimmt der Soldat Colter Stevens an einem geheimen Regierungsprojekt teil und kann – durch ein typisch verschwurbelt erklärtes High-Tech-System – mit seinem Geist in den Körper eines anderen schlüpfen. Ziel des Projekts ist es, einen Bombenattentäter zu finden und einen Anschlag zu verhindern. Und so erlebt Stevens immer wieder dieselben letzten Minuten vor der Explosion, ist dabei jedes Mal dem Täter näher auf der Spur.

»Ausverkauf« werden nicht wenige Liebhaber von Moon nach dem Film denken und in der Tat läßt Source Code den ausgeklügelten Indie-Charme von Jones’ Debüt vermissen, aber so einfach ist die Sache dann doch wieder nicht. Von einer subversiven Blockbuster-Unterwanderung zu sprechen wäre zu viel des Guten, aber dennoch sind es ein paar Feinheiten, die den Film von gängiger Hollywood-Massenware unterscheiden. Vor allem auf der dramaturgischen Ebene kann Source Code überzeugen. In homöopathischen Dosen verabreicht Jones seinem Publikum die Informationen; die Repetition in minimaler, aber sich stets addierender Varianz ist das Grundprinzip des Films. Eben aufgrund der genauen Inszenierung schafft dies nicht das Gefühl der Redundanz, sondern erzeugt Spannung. Das Ergebnis mag massentauglich sein, aber gut gemacht ist es trotzdem. Und ja, Moon war besser. 2011-05-27 12:02

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #62.

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