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Fast & Furious Five

Fast Five. USA 2011. R: Justin Lin. B: Chris Morgan. K: Stephen F. Windon. S: Kelly Matsumoto, Fred Raskin, Christian Wagner. M: Brian Tyler. P: Original Film, Dark Side. D: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Ludacris, Matt Schulze, Sung Kang, Joaquim del Almeida, Elsa Pataky u.a.
130 Min. Universal ab 28.4.11

Racing, Chasing, Passing

Von Asokan Nirmalarajah Als vor etwas weniger als einem Jahrzehnt mit The Fast and the Furious (2001) ein charmanter kleiner Actionfilm über die illegale Straßenrennszene von Los Angeles unerwartet an die Spitze der US-Kinocharts stürmte, war für den Jugendfilmproduzenten Neal H. Moritz ein neues Erfolgskonzept geboren. Die ungenierte, in Zeitlupen festgehaltene Fetischisierung kreativ frisierter Edelkarosserien und notdürftig verhüllter junger Frauen, die rasant montierten Wettrennen und Verfolgungsjagden zwischen muskulösen, braungebrannten Unterhemdenträgern und der wummernde Hip Hop-, Rap- und R’n’B-Soundtrack lockten inzwischen schon vier Mal das motoren-, körper- und actionaffine männliche Zielpublikum ins Kino. Die Kritik zeigte sich von dem unverhohlen geringen Anspruch der aufwendig produzierten Drive-In-B-Movies wenig angetan und monierte stets die albernen Alibi-Plots, die schablonenhaften Figuren und die unsinnigen Dialoge, ganz zu schweigen von den unmotivierten CGI-Kamerafahrten durch das Innere der Luxusautos, dem beiläufigen Sexismus und Rassismus und den reichlich kindischen, homophoben Sticheleien zwischen den ungemein virilen, aber generell ausdrucksschwachen Hauptdarstellern.

Dabei hatte dieses Konzept, an dem sich die Geister, genauer: die Geschmäcker der freiwillig zahlenden Zuschauer und der zum Schauen beorderten Kritiker scheiden, ihren Ursprung in der Ambition des Original-Regisseurs Rob Cohen, einen möglichst authentischen Film über eine junge Subkultur von L.A. zu drehen, die sich bei Nacht trifft, um sich in selbst getuneten, aus Japan importierten Wagen zu messen. So war die aus Kathryn Bigelows ähnlich sinnfreiem Actionthriller Gefährliche Brandung (1991) entlehnte Handlung, in der statt Banken plündernde Surfer Lastwagen überfallende Automechaniker zu sehen sind, nur der Aufhänger für die Geschichte eines blonden, blauäugigen Milchbarts (Paul Walker), der sich als Undercover-Polizist in eine ethnisch bunte Parallelwelt begibt, um eine Verbrechensserie zu lösen. Doch dann verliebt er sich ins Milieu und statt seinen italoamerikanischen Kontrahenten (Vin Diesel) zu verhaften trägt er dessen rassige Schwester (Jordana Brewster) davon. In 2 Fast 2 Furious (2003) wetteifert der weiße Junge darauf mit einem Afroamerikaner (Tyrese Gibson) in Sachen Fahrkunst und Coolness und gewinnt gar eine Kubanerin (Eva Mendes) als vorübergehende Spielgefährtin. Auch in dem in der Fast and the Furious-Serie etwas randständigen Intermezzo Tokyo Drift (2006) versucht sich ein weißer Außenseiter (Lucas Black) den Respekt einer ethnischen Gruppe, diesmal: japanischer Jugendlicher, zu verdienen, indem er sich in kürzester Zeit ihre Lebensweise, Sprache und Fahrkünste aneignet.

Fast & Furious Five knüpft nun nach dem eher drögen, da gänzlich humor- und einfallslosen vierten Teil Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile. (2009) wieder an den Ethnizitätsdiskurs seiner Vorläufer an, die in dieser Perspektive als urbane Variationen klassischer »Going-Native«-Filme wie Lawrence von Arabien (1962), Apocalypse Now (1979) und Der mit dem Wolf tanzt (1990) anmuten. Besser noch: In der ersten richtig amüsanten Szene des recht unterhaltsamen Sequels werden die früheren Passing-Bemühungen des weißen Cops innerhalb ethnischer Straßengangs mit einem Augenzwinkern aufs Korn genommen. So gibt sich Tyrese Gibson, der mit seiner bewährten Spielfreude allen aus den früheren Teilen zusammengeführten Darstellern die Schau stiehlt, hier einmal als weißer Polizist aus, um in den Materialraum einer Polizeistelle zu gelangen, und erklärt dem Türwächter, seine schwarze Hautfarbe sei bloß besonders starke Sonnenbräune. Es ist auch erst ab diesem Punkt, daß der zuvor in seiner Ernsthaftigkeit ermüdende Actioner zu der gesunden Selbstironie findet, die die ersten drei Teile auszeichnete und die ihn hier über die mit 130 Minuten lange, aber immer noch bemerkenswert kurzweilige Laufzeit rettet.

Die erste halbe Stunde von Fast & Furious Five hält sich trotz einer absurden, aber solide inszenierten Actionsequenz noch damit auf, das Ende des unmittelbaren Vorläufers aufzuarbeiten und an die selten wirklich überzeugende Wir-sind-eine-Familie-von-Außenseitern-Rhetorik des Originals anzuschließen. Doch hat man erst einmal das grausige Schauspiel des grimmigen Diesels, des verdutzten Walkers und der hübschen Brewster in ihren unbeholfenen ›Familienszenen‹ überstanden, gewinnt der Film an Fahrt und vor allem Spaß, indem er Elemente des Heist-Films einfließen läßt. Es ist die Interaktion zwischen den einzelnen Mitgliedern der spontan formierten Räuberbande, vor allem Tyrese Gibson und Ludacris als sympathisches Zweiergespann, die für die dringend notwendige Leichtigkeit sorgt. Auch die Idee, dem Team in der Gestalt eines energischen, ständig schwitzenden Dwayne Johnsons einen verbissenen DSS-Agenten als Verfolger an die Fersen zu heften, zahlt sich aus in den immer spektakuläreren Kampf- und Actionszenen des letzten Drittels. Das soll nicht heißen, daß nicht auch hier alle Kritikpunkte greifen, die man bislang gegen die Kinoreihe vorgebracht hat. Aber niemand hätte etwas anderes erwartet. 2011-04-27 01:02
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