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Thor

USA 2011. R: Kenneth Branagh. B: Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne. K: Haris Zambarloukos. S: Paul Rubell. M: Patrick Doyle. P: Paramount Pictures, Marvel Entertainment, Marvel Studios. D: Natalie Portman, Chris Hemsworth, Anthony Hopkins, Jeremy Renner, Kat Dennings, Ray Stevenson, Stellan Skarsgård, Idris Elba u.a.
114 Min. Paramount ab 28.4.11

If I had a hammer…

Von Heiko Martens …müßte sich auch Thor fragen, Gott des Donners, in Wirklichkeit verstoßener Sohn einer Dynastie übermächtiger Außerirdischer, der auf die Erde verbannt wird, auf daß sein kraftvolles und arrogantes Auftreten ein wenig gezügelt werde. Denn im Exil bleibt der Hammer zwar in steter Reichweite, aber bevor er sich nicht der Nachfolge eines Königs würdig erwiesen hat, darf Thor sein Lieblingsspielzeug nicht benutzen. Was etwas schade ist, denn das archaische und etwas ungelenk wirkende Monstrum wird in den Händen Thors zu einer effektiven Waffe, irgendwo zwischen Bumerang, Schmiedehammer und Pfeilschleuder. Klingt nach Comic? Ist es auch.

Das Marvel-Universum spuckt erneut einen Helden aus und auf die Leinwand, der im Falle Thors in den 1960ern erstmalig das Licht der Bilderwelt erblickte. Die Figur nimmt einiges mit, was die nordische Mythologie hergibt. Für die Zweifler tauchen auch Odin, Loki, Freya, Heimdall und andere auf – und neben der Erde gehört auch Asgard zu den Spielorten. Dabei nimmt die Mythenwelt, vom Christentum geschleift, von den Nazis ideologisch verhackstückt und zuletzt wieder im Aufwind dank naturverbundener Menschen folkloristischen Anstrichs, erstaunlicherweise wenig Schaden. Ist ja nur Comic.

Die Berufung des britischen Regisseurs Kenneth Branagh für dieses geschätzte 150-Millionen-Dollar-Spektakel erscheint zunächst wie ein Risiko, mag aber vor allem strategische Gründe haben. Wie kriegt man relativ unmenschliche, weil gottgleiche Figuren in durchweg albernen Outfits in funktionierende Filmcharaktere umgemodelt? Eine Gratwanderung, die der Film ziemlich souverän nimmt. Während auf der Erde meist salopp und frei nach Schnauze agiert wird, parlieren die Schauspieler in fernen Welten vorwiegend mit einem Pathos, als würden sie auf britischen Theaterbühnen der Klimax entgegenfiebern. Das generiert natürlich auch einen Zusammenstoß der Kulturen, dem durch manch pointierte Einlage aber die dramatische Schärfe genommen wird. Richtig so – Comic.

Branagh brachte aber auch – und das äußert er in jeder Stellungnahme zu diesem Film – den Wunsch mit, gerade über diese gewagten Figuren seine Geschichte zu erzählen. Also, Drama kommt stets vor dem Knall? Bedingt. Es gibt erstaunlich ruhige Momente in Thor, der mit der derzeitigen Allround-Waffe Natalie Portman, dem allzeitigen Brummbär Anthony Hopkins (als Odin) und dem angenehm zurückhaltenden Stellan Skarsgård auch in den Nebenfiguren fehlerfrei besetzt ist. Vor allem der britische Jungdarsteller Tom Hiddleston, der sich als Loki mythengerecht zum Gegenspieler mausert, darf hier glänzen – was durchaus auch damit zu tun hat, daß seine Figur ein wenig komplexer gestrickt ist als manch andere Bösewichte dieses Genres.

Auf der anderen Seite bleibt aber der Tonfall der Hauptfigur prägend. Der gebürtige Australier Chris Hemsworth spielt den Donnergott und changiert im Charme irgendwo zwischen Brad Pitt und Dolph Lundgren. Das Drama sorgt damit für eine etwas überdurchschnittliche Länge des Films, bleibt im Grundsatz und trotz großer Geste aber sehr überschaubar. Die Erkenntnis, die der Held durchleben muß, um endlich wieder seinen Hammer benutzen zu dürfen, ist dann auch mehr als schlicht. Aber hallo – Comic!

Das Ende, das ist nicht zu viel verraten, läßt großzügigen Spielraum für eine Fortsetzung. Zumindest die Figur des Thors wird aber definitiv auf die Leinwand zurückkehren. Wenn alles gerade läuft, zusammen mit Iron Man und anderen in The Avengers. Das Projekt ist für 2012 angekündigt und hat – dem Gefühl nach dankenswerterweise – Joss Whedon als Regisseur verpflichtet. Dann wird Thor bestimmt wieder seinen Hammer dabei haben. 2011-04-21 09:27
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