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Wasser für die Elefanten

Water for Elephants. USA 2011. R: Francis Lawrence. B: Richard LaGravenese. K: Rodrigo Prieto. M: James Newton Howard. S: Alan Edward Bell. P: Flashpoint Entertainment, Fox 2000 Pictures. D: Reese Witherspoon, Robert Pattinson, Christoph Waltz, Paul Schneider, Hal Holbrook, Mark Povinelli u.a.
122 Min. Fox ab 28.4.11

Durststrecke

Von Asokan Nirmalarajah Es mag sich nur um eins von vielen Klischees handeln, mit denen der dritte Kinofilm des talentierten Musikvideo-Regisseurs Francis Lawrence die Geduld der Zuschauer strapaziert, aber es ist auch die einzige Idee von Wasser für die Elefanten, die für einige wenige Lacher in dem drögen Liebesmelodram sorgt. Wie es üblich ist in Hollywoodfilmen, die ihre Geschichte vor dem Hintergrund der amerikanischen Prohibition, zwischen den 1920er und den frühen 1930er Jahren spielen lassen, wird auch in der Leinwandverfilmung des gleichnamigen Romans von Sara Gruen viel Alkohol getrunken. Amüsant ist, daß selbst eine Elefantendame hier an der verbotenen Flasche hängt, vermutlich weil der ihr zugewiesene Pfleger über seine amouröse Beziehung mit der schönen Ehefrau des Zirkusdirektors versäumt, ihr Wasser hinzustellen. Diese klassische Dreiecksgeschichte zwischen einem jungen Mann, der von ihm bewunderten Künstlerin und ihrem jähzornigen Ehemann und beider Förderer, das Zeitkolorit und die bunte Zirkuswelt der 1920er Jahre, als auch ein Herz für Tierschicksale machten die Romanvorlage der Kanadierin Gruen zu einem mehrwöchigen New York Times-Bestseller. Der Film aber ist eine komplette Fehlkalkulation.

Ärgerlich an Wasser für die Elefanten ist, daß man ihm durchaus sein eben nicht geringes Potential ansehen kann. Lawrence, der bereits Keanu Reeves in Constantine (2005) und Will Smith in I Am Legend (2007) in so vertraute wie fremde Welten schickte, um ihre Identitätskrisen zu bewältigen, schickt diesmal Robert Pattinson zum Zwecke der Selbstfindung und des Erwachsenwerdens in die so magische wie brutale Welt eines finanziell strauchelnden Wanderzirkus. Der talentierte mexikanische Kameramann Rodrigo Prieto zaubert dazu wohlige, sonnendurchflutete Bilder einer längst vergangenen Ära und läßt die hochkarätige Besetzung von wandlungsfähigen Oscar-Preisträgern und populären Jungstars ziemlich gut aussehen in feinen Kostümen und hübscher Ausstattung. Auch die gefällige Musik des noch sträflich unterschätzten James Newton Howard trägt zu der zunächst ansprechenden Atmosphäre des Films bei. Wenn das doch alles stimmt, wo kann ein so hübsch produzierter, in jeder Beziehung altmodischer Hollywoodfilm wie dieser denn da noch aus dem Ruder laufen? Die Antwort hierzu liefert zunächst der Auftritt Robert Pattinsons, dann der von Reese Witherspoon und schließlich der einer Elefantendame.

Pattinson erscheint im Rückblick als die Idealbesetzung für einen blassen Vampir im Körper eines Teenagers (Twilight, 2008), versprüht der hübsche Knabe mit dem verkniffenen Schlafzimmerblick doch auch in der Rolle eines sonnengebräunten Sunnyboys ebenso wenig Lebensfreude und Charme. In der Tat stellt er sich hier in einer Rolle, für die auch ein richtiger Schauspieler wie Andrew Garfield (Boy A, 2007) vorgesprochen hat, als eine derart charismafreie Zone heraus, das er zum schwarzen Loch des Films wird, zu dem Vakuum, um das sich alles hilflos dreht. Witherspoon, die man seit ihrem Oscargewinn 2006 leider in keiner Rolle mehr gesehen hat, die dem enormen Talent gerecht wird, das sie in jungen Jahren unter Beweis stellen konnte (Election, 1999), ist komplett fehlbesetzt als platinblonde Pferdeakrobatin, deren Annäherungsversuche an Pattinson so wirken, als würde sich eine kleine Tante an ihren größeren Neffen heranmachen (tatsächlich spielte sie in einer später geschnittenen Szene im 2004er Kostümdrama Vanity Fair noch seine Mutter). Waltz hingegen bleibt auch in der stereotypen Rolle des tyrannischen Zirkusbetreibers unfehlbar und stattet seine Rolle mit den nötigen ambivalenten Zwischentönen aus.

Dieses wenig überzeugende, so ganz und gar nicht zusammenpassende Schauspielertrio muß sich den Film hindurch mit einem Skript des einst angesehen Hollywood-Schreibers Richard LaGravenese (König der Fischer, 1991) herumschlagen, das vor Klischees und Plattitüden nur so überläuft. Jede Szene, jede Figur und jede Situation hat man so schon einmal gesehen, weshalb man den sehr berechenbaren Handlungsverlauf auch nur absitzt, als gespannt zu verfolgen. Die einzige Figur, deren Präsenz einen bleibenden Eindruck im Film hinterläßt, ist somit denn auch die Elefantendame Rosie, gespielt von der bereits 42jährigen Hollywood-Veteranin Tai, die hier wie schon in ihrer Titelrolle als Die dicke Vera (1996) mit Bill Murray reihum Szenen stibitzt und ihren menschlichen Co-Akteuren vorführt, wie Leinwand-Charisma wirklich auszusehen hat. Dafür hat sie sich ihren Eimer Wasser mit etwas Alkohol mehr als verdient. 2011-04-21 09:16
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