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Ohne Limit

Limitless. USA 2011. R: Neil Burger. B: Leslie Dixon. K: Jo Willems. S: Naomi Geraghty. M: Paul Leonard-Morgan. P: Universal Studios, Relativity Media. D: Bradley Cooper, Abbie Cornish, Robert De Niro, Anna Friel, Andrew Howard, Johnny Whitworth, Robert John Burke, Tomas Arana u.a.
105 Min. Concorde ab 14.4.11

Druff, Druff, Druff

Von Sven Lohmann Einem bekannten Mythos zufolge soll der Mensch ja nur zehn Prozent seiner Gehirnkapazität nutzen, oder fünf oder zwanzig; was ist mit dem Rest? So ein vielversprechender Glaube fällt im Klima des Wachstumsfetischs natürlich auf fruchtbaren Boden – gerade in einer Zeit, wo sich innerhalb von ein paar Jahren der Ritalinkonsum vervielfacht. Dieser Gedanke, jedermann könne mit dem richtigen Zeugs ohne eigenes Zutun zum Genie werden, ist auch der Ausgangspunkt von Ohne Limit, einer Verfilmung von Alan Glynns SF-Roman »Stoff«. Hier ist es der erfolglose Schriftsteller Eddie (Bradley Cooper aus Hangover), der durch einen makaberen Zufall an den Vorrat ungetesteter Wunderpillen von einem alten Bekannten gerät, und die bringen seinen Keks so richtig auf Vordermann – so hofft er, sein Leben umkrempeln zu können. Das klingt zunächst sehr nach Philip K. Dick, der sich der Legende nach mit immer neuen Drogen und Räuschen zu immer neuen Schreibleistungen angestachelt haben soll. Eddie hat hier aber höhere Ziele: Statt schnöde Literatur zu schaffen, geht er an die Wall Street, wo ihm kraft der Droge als bombigem Analysten das Geld in den Schoß fällt, und soziales Ansehen gleich mit.

Die an sich interessante Frage, ob es inzwischen für die Wettbewerbstüchtigkeit Aufputschmittel braucht, weil der naturbelassene Mensch überhaupt nicht mehr leistungsfähig genug ist für die Ansprüche des Systems, findet hier aber kaum Beachtung. Hier zählt Unterhaltung, und das zur Not auch auf Kosten von Originalität und Vernunft. Neil Burger erzählt die Geschichte als einen rentablen Mittelbau-Actionthriller, wo in erster Linie ein bißchen die Post abgehen soll: Die Wunderdroge stellt sich als unerwartet heimtückisch heraus und halst Eddie gewaltige Probleme mit Polizei und Mafia auf. Bewegliche bunte Bilder und bekannte Versatzstücke aus Drogen- und Gangsterfilmen folgen hier im Sinne der vergleichsweise konsumentenfreundlichen Achterbahnfahrt aufeinander, als die die Produktion ausgewiesenermaßen angelegt ist.

Überwiegend ist Ohne Limit recht konventionell gemacht, wenn auch nicht überdurchschnittlich gut, geschweige denn einfallsreich; es gibt vereinzelt schöne visuelle Einfälle, wie etwa mehrere künstlich verunendlichte Zooms durch New Yorks Straßen, die tragen den ganzen Film nun freilich auch nicht. Die Schwächen liegen aber maßgeblich auch im Drehbuch von Leslie Dixon, die sich ja schon mit ihren Büchern zu Mrs. Doubtfire, Das Glücksprinzip und Nach 7 Tagen – Ausgeflittert nicht eben mit Ruhm bekleckert hat: Die Geschichte leidet erst unter albernen Einfällen wie Abbey Cornish, die ihren Verfolger mit einem Schlittschuhpaar niederschlägt, in dem noch ein ganzes Kind steckt – und dann findet sie kein Ende. Eine Erwähnung soll aufgrund seines Namens Robert de Niro bekommen, der eine Nebenrolle als Finanzmogul spielt, aber ungeachtet seiner Qualitätseinbußen in letzter Zeit hier doch eher fehl am Platze ist. Ohne Limit ist im Endeffekt einerseits noch passables Popcornkino zum Kopfabschalten, andererseits aber auch eine sträflich vergeudete gute Idee. 2011-04-13 13:21
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