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Willkommen bei den Rileys

Welcome to the Rileys. GB/USA 2010. R: Jake Scott. B: Ken Hixon. K: Christopher Soos. S: Nicolas Gaster. M: Marc Streitenfeld. P: Argonaut Pictures, Destination Films, Scott Free Productions. D: James Gandolfini, Kristen Stewart, Melissa Leo, Joe Chrest, Ally Sheedy, Tiffany Coty, Eisa Davis, Lance E. Nichols u.a.
110 Min. Arsenal ab 7.4.11

Wir leben noch!

Von Dominik Bühler Der Mann sitzt in der dunklen Garage und raucht. Die Miene der Frau zuckt kurz, als sie auf ihre Tochter angesprochen wird, und friert dann ein. Der Beginn von Willkommen bei den Rileys steckt voller Gesten der Trauer und Verdrängung. Doug und Lois Riley haben ihre Tochter verloren. Nun, nach einigen Jahren ist der Alltag ihrer rund 30jährigen Ehe von Entfremdung und Erstarrung gezeichnet. Lois vergräbt sich im Haus, das sie seit langem nicht mehr verlassen hat, und Doug sucht Halt in der Affäre mit einer Kellnerin. Überaus deutlich markiert ein Grabstein, den Lois neben dem Grab der Tochter hat aufstellen lassen, die hoffnungslose Situation. Die Namen der Eheleute sind bereits eingraviert – der Tod ist nur noch eine Frage des Datums. Als Doug den Grabstein entdeckt, kommt es zum Ausbruch. Wütend erklärt er, noch nicht tot zu sein. Seine Figur ist es dann auch, deren Handlungen den Protagonisten und der Ehe wieder Leben einhauchen. Auf einer Arbeitsreise nach New Orleans begegnet er in einem Stripclub der minderjährigen Prostituierten Mallory, die ihn an seine Tochter erinnert und zwangsläufig Beschützerinstinkte in ihm weckt. Dougs Ankündigung, nicht nach Hause zu kommen, bringt das eingefahrene Leben aller Beteiligten zur Erschütterung.

Die Geschichte wird angenehm unaufgeregt und unprätentiös erzählt, bietet dabei aber leider wenig Überraschendes. Alles ist etwas zu konfliktlos, vorhersehbar und wenig subtil aneinandergefügt. Als der Blick der Kamera auffällig lange und damit bedeutungsschwer auf dem Eingang des Stripclubs ruhen bleibt, in den Doug soeben gegangen ist, mag man kurz denken, dieses fast schon »lyncheske« schwarze Loch markiere den Wendepunkt zu einer düsteren, weniger gradlinig sympathischen Geschichte. Doch es geht weiter mit dem typischen, gemäßigt sentimental erzählten Independentfilmmärchen, in dem sich alle gegenseitig wachrütteln und am Ende irgendwie auch retten. Ein Neubeginn ist möglich – das vermittelt der Film – und man schaut es sich nur gerne an, weil es eine große Freude ist, den wunderbaren Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie ihre Figuren zum Strahlen bringen. Allen voran verwandelt James Gandolfini seinen Doug in einen in sich ruhenden, hinreißenden Charakter, aber auch Melissa Leo als Lois und Kristen Stewart als Mallory begeistern und bereichern den Film mit ihrem Spiel um wichtige Nuancen. Sie schaffen Figuren, die berühren und mit denen man sich freut. Leo vermag es, einen selbst die kitschige Szene verzeihen zu lassen, in der Lois nachts barfuß durchs Gras läuft und befreit in den Sternenhimmel guckt. Ebenso dankbar ist man für die sanfte Situationskomik, die der Kontrast zwischen Doug und Mallory und die hinreißend unbeholfene Art von Lois immer wieder provozieren.

Das hoffnungsvolle Ende, das kein vollständiges Happy End sein will, und in dieser Art in den Independent-Arthouse-Tragikomödien-Dramen der letzten Jahre mittlerweile fast zum Genreklischee erstarrt ist, paßt dann wieder in die Ecke des wenig Überraschenden, aber man gönnt den liebenswerten Protagonisten den Trost, denn immerhin trösten sie sich dank Gandolfini, Leo und Stewart sehr überzeugend und einnehmend und den Zuschauer damit über das etwas spannungsarme Drehbuch hinweg. 2011-04-04 15:59

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