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Der Plan

The Adjustment Bureau. USA 2011. R,B: George Nolfi. K: John Toll. S: Jay Rabinowitz. M: Thomas Newman. P: Electric Shepherd Productions, Media Rights Capital, Universal Pictures. D: Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie, John Slattery, Michael Kelly, Terence Stamp, Anthony Ruivivar, Donnie Keshawarz u.a.
109 Min. Universal ab 10.3.11

Der Mensch denkt, Gott lenkt

Von Sven Lohmann David Norris ist als New Yorker Lokalpolitiker sehr erfolgreich, Elise hingegen eine hoffnungsvolle Tänzerin; jeder für sich ein Mensch mit rosigen Zukunftsaussichten. Als sie sich dann unverhofft auf einer öffentlichen Toilette kennen und lieben lernen, geschieht kurz darauf so etwas wie eine Offenbarung wider Willen: David ertappt, zur Arbeit erscheinend, durch einen blöden Zufall die Herren vom »Planungsbüro«, wie sie die Zeit anhalten und die Gedanken seiner Kollegen frisieren. Klingt komisch? Ist aber nur Science-Fiction. Gott ist hier gewissermaßen der Inhaber der Weltfirma, und deren Geschicke leitet das fragliche Planungsbüro, eine Art bürokratische Reaktion gegen den freien Willen des Menschen und den Zufall. Die Idee zu der Geschichte stammt von Philip K. Dick, und dessen Stoffe bieten sich ja gern zur Verfilmung an; seit seinem Tod 1982 wurden nach seinen Literaturvorlagen etwa Blade Runner, Total Recall, Minority Report oder A Scanner Darkly gedreht. Der Plan beruht auf der Kurzgeschichte »Umstellungsteam« aus dem Jahre 1954; George Nolfi, sonst bekannt als Autor von Ocean's 12 und Das Bourne Ultimatum, legt hiermit sein Regiedebüt vor.

Daß David und Elise einander überhaupt begegnen, ist in Der Plan – wo Zufall und Schicksal miteinander wetteifern – eine Art »Fehler in der Matrix«. Gott hat mit den Menschen Höheres vor: Statt daß sie miteinander glücklich werden, sollen seiner Meinung nach Elise und David bitte Tanzstar und Senator werden, und dabei behindern sie sich nur gegenseitig. Weltlicher Ruhm ist doch wichtiger als Bescheidenheit und Nächstenliebe. Die beiden Liebenden nun lehnen sich jedoch gegen den großen Plan der Weltordnung auf, in dem sie nicht vorgesehen sind. Man könnte fast von Religionskritik und der Frage nach Willensfreiheit sprechen, wenn es nicht so albern wäre. Auf jeden Fall aber sei dem Irrtum vorgebeugt, man habe es hier, wie man bei einer Dick-Verfilmung meinen könnte, mit einem phantastischen Film im engeren Sinne zu tun: Der Plan ist eine recht gewöhnliche und hygienische Liebesgeschichte, die mit ein paar Genreelementen angemalt wurde, wie etwa alten Männern in Hut und Mantel. Umso unerquicklicher, als einem das Planungsbüro von Anfang an sympathischer ist als David und Elise.

Hier und da findet zwar die Kamera wirklich schöne Bilder und Terence Stamp als der alte Agent Thompson ist eine erfreuliche Erscheinung. Im Ganzen stört Der Plan aber durch seine konstruierte Handlung und seine glatte Gewöhnlichkeit – schade, denn Potential gibt es hier durchaus. Das größte Problem des Films ist aber seine völlige Humorlosigkeit. Es gibt da z.B. diese Schlußpointe: Die Protagonisten können dank eines wundertätigen Huts Türen als Wurmlöcher zu völlig anderen Orten nutzen – das ist bei aller Abwegigkeit wirklich nett. Engel, die im Outfit von Geheimdienstagenten auftreten, der liebe Gott als »Leiter des Planungsbüros«, das alles ist als Idee durchaus witzig und hätte, entsprechend inszeniert, einen originellen kafkaesken Fantasyfilm abgeben können. Nolfi aber präsentiert das alles ohne Augenzwinkern, mit völlig ernstem, erhabenem Gestus, ja anscheinend gar ohne Bewußtsein darüber, daß der ganze Stoff schon eine eindeutig komische Komponente hat. Und so wird er letztendlich lächerlich statt witzig. 2011-03-11 13:37
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