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Faster

USA 2010. R: George Tillman Jr. B: Tony Gayton, Joe Gayton. K: Michael Grady. S: Dirk Westervelt. M: Clint Mansell. P: Tristar Pictures, Castle Rock Entertainment, State Street Pictures. D: Dwayne »The Rock« Johnson, Billy Bob Thornton, Oliver Jackson-Cohen, Carla Gugino, Xander Berkeley, Mike Epps, Tom Berenger, Maggie Grace, Josh Clark, Courtney Gains, Moon Bloodgood, Jennifer Carpenter, Adewale Akinnuoye-Agbaje u.a.
98 Min. Sony ab 17.3.11

Rache, abstrakt

Von Nils Bothmann Eine typische Situation aus einem (Rache-)Actionfilm: Der Held sucht einen windigen Schmierlappen auf, der ihm noch Geld schuldet. Da besagter Typ allerdings ein zahlungsunwilliger Hänfling ist und öfters in solche Situationen gerät, hat er bereits einen Hünen, der den Protagonisten noch überragt, angeheuert, der ihn vor selbigem beschützen soll. In den meisten Actionfilmen würde der Held nun mit dem Bodyguard den Boden aufwischen, damit etabliert ist, daß er der härteste Kerl weit und breit ist. In Faster will der Hüne nun auf den Helden losgehen, entdeckt jedoch dessen Tätowierung und erkennt ihn daher als jemanden wieder, den er lieber in Ruhe läßt. Eine Szene, die Genreerwartungen gleichzeitig unterläuft und erfüllt, denn der Protagonist ist nun immer noch als tougher (und gleichzeitig mythisch überhöhter) Typ eingeführt.

In den meisten herkömmlichen Actionfilmen würde der riesenhafte Schläger zudem den (Spitz-)Namen Tiny tragen, doch auch an der Benennung der Figuren läßt sich bereits ablesen, daß Faster andere Wege als die Kollegen geht. Die drei Hauptfiguren des Films werden vom Abspann nur als Driver, Cop und Killer bezeichnet, während des Films fällt lediglich der richtige Name des von Billy Bob Thornton gespielten Polizisten. Selbst die Hauptfigur des Films, der Driver, ein aus dem Gefängnis entlassener Fluchtwagenfahrer, der Rache an den Mördern seines Bruders nimmt, bleibt namenlos. Konsequent verzichtet der Film daher auch auf Charakterisierungen, einzige Ausnahme ist wiederum der Cop, der als ambivalente Figur angelegt ist (wie vor allem das Ende des Films zeigt). Faster abstrahiert seine restlichen Figuren zu Funktionen. Der Killer ist einfach nur ein Killer, dessen Hintergrundgeschichte, Geschäftsphilosophie und Entlohnung man zwar während des Films erfährt, die aber ebenso ungewöhnlich wie letztendlich redundant sind.

Faster ist ein Metafilm für das Rachegenre, denn an den Schuldigen, die der Driver aufsucht, exerziert er alle Möglichkeiten durch: Die einen sind Mörder, mit deren Tod er der Menschheit einen Dienst erweist, andere haben sich gewandelt, sind nicht mehr die von einst und können dem Todesengel, der sie aufsucht, gar vergeben. Die vielleicht stärkste Szene ist jene, in welcher der Driver einem seiner Opfer, einem Türsteher, entgegentritt, der ohne große Worte Verständnis für den Rächer zeigt: Er habe ihn erwartet. Kein Flehen, kein redundantes Gerede: Der Türsteher bittet einen weiteren Anwesenden den Raum zu verlassen und seinen potentiellen Mörder nicht zu verpfeifen, danach gehen Held und Türsteher mit Stichwaffen aufeinander los und zeigen dabei wie ähnlich sie sich eigentlich sind. Am Ende der ohne musikalische Unterlegung auskommenden Szene bittet der sterbende Türsteher den Driver lediglich seinen Sohn anzurufen und ihm die Entschuldigung des Vaters auszurichten.

In seiner nüchternen Thesenhaftigkeit ist Faster allerdings stellenweise ein kalter Film, gerade aufgrund der spärlichen Charakterisierungen seiner Figuren, doch tatsächlich kann er dem Genre in seiner Reflektion durchaus neue Facetten abgewinnen – mehr als z.B. der kürzlich gestartete Drive Angry, dessen Prämisse ironischerweise ausgefallener klang als die handelsübliche Zusammenfassung von Faster. Leider ist Faster auch mehr ein Film über Rache als ein Rachefilm, denn Dienst am Kunden in Form von Actionszenen ist Mangelware. Dabei weiß George Tillman Jr. die vorhandenen Konfrontationen durchaus ansprechend in Szene zu setzen und sich dabei meist einfacher, aber wirksamer Stilmittel zu bedienen: Gerade der Einsatz der Steadycam, die den Driver auf seinem unbeirrten Weg zu seinem Mord verfolgt, spiegelt dessen Zielstrebigkeit filmisch wieder. Schade, daß Faster nicht immer solche Ausdrucksstärke an den Tag legt und hin und wieder etwas vorhersehbar ist. Kein perfekter, aber ein durchaus interessanter Beitrag zum Rachefilmgenre. 2011-03-11 15:45
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