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Paul – Ein Alien auf der Flucht

Paul. GB 2011. R: Greg Mottola. B,D: Nick Frost, Simon Pegg. K: Lawrence Sher. S: Chris Dickens. M: David Arnold. P: Big Talk Productions. D: Seth Rogen, Sigourney Weaver, Jane Lynch, Kristen Wiig, Jason Bateman, Bill Hader, Blythe Danner, Jeffrey Tambor u.a.
104 Min. Universal ab 14.4.11

Nach Hause telefonieren – Mit Joints und drei Titten

Von Heiko Martens Nach Shaun of the Dead (GB 2004) und Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis (GB 2007) unter der Regie von Edgar Wright wird mit Paul – ein Alien auf der Flucht die Reihe großartiger Genre-Parodien mit Simon Pegg und Nick Frost als Buddies, die gemeinsam durch dick und dünn gehen, erneut eindrucksvoll fortgesetzt. Dieses Mal ohne Edgar Wright, aber das war dem Sprung über den großen Teich wohl geschuldet.

Im Laufe der Filmgeschichte haben Aliens die Erde unterwandert, unterjocht und beizeiten auch in die Luft gesprengt. Die Außerirdischen kamen, um zu fressen, Rohstoffe zu plündern, zu erobern, unerkannt unter uns zu leben oder infolge tragischer Verwicklungen – z.B. einem galaktischen Verkehrsunfall – zu bruchlanden.

Letztgenanntes trifft auch auf Paul zu. Der milchgrüne und wasserköpfige Außerirdische landet im Jahr 1947 (sic!) unfreiwillig im mittleren Westen der USA, wo er auch gleich von einer genregerechten Geheimorganisation aufgesammelt wird. Als Paul in der Jetztzeit die Flucht gelingt, trifft er auf die beiden britischen Touristen Graeme (Simon Pegg) und Clive (Nick Frost). Die haben gerade einen Besuch der Comic Con in San Diego hinter sich gebracht und starten eine Rundreise zu UFO-Sichtungsorten. Somit trifft das eine Alien (fremder Planet) auf zwei weitere (Briten, Comicfans, und auch sonst rechte Nerds) und die Tour im Wohnmobil nimmt neuen Kurs auf.

Nach anfänglichem Schrecken klappt die Kommunikation bald recht gut. Paul ist ein schlauer, etwas derber und evolutionär weit überlegener kleiner Kerl, der den Kumpels von der Insel einiges beibringen kann – während der Trupp auf seiner Reise eine Spur aus Aufsehen und Zerstörung hinter sich läßt. Daß die Aliens dann auch noch von besagter Geheimorganisation verfolgt werden, verschlimmbessert die Komödie nur noch.

Paul ist, wie die vorherigen Werke des Paars Pegg-Frost, eine Parodie im besten Sinne: Das Genre wird aufgemöbelt, wo es das verdient. Ansonsten wird sich ehrfürchtig verbeugt, wie es sich gehört. Dabei schadet die Amerikanisierung der Inszenierung kaum. Eine so grandiose Exposition wie in Hot Fuzz wird eh kaum zu wiederholen sein. Wo die filmische Kreativität eher beim Bewährten bleibt, rettet das Skript, das dieses Mal von Simon Pegg und Nick Frost verfaßt wurde, über den Durchschnitt. Mit Bill Hader und Kirsten Wiig in Nebenrollen sind zwei eher unkonventionelle Komödianten Hollywoods vertreten, die mit sichtbarem Spaß bei der Sache sind. Vor allem Kirsten Wiig darf als von allen Zwängen befreite Kreationistin so richtig vom Leder lassen und würzt das Potpourri mit gehöriger Kulturkritik.

Der versöhnende Schulterschluß mit dem Science-Fiction-Genre wird spätestens am Schluß eingelöst, wenn die Mutter aller Alienfilme, Sigourney Weaver, persönlich und mit souveränem Understatement ins Geschehen eingreift. Die »Grand Dame« ist schon jenseits der 60 und könnte sich wahrscheinlich auf selbstreferenzielle Zitate beschränken – was sie in Paul mit feiner Garderobe und ordentlicher Durchschlagskraft tut. 2011-04-08 09:25
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