— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Iron Doors

D 2010. R: Stephen Manuel. B: Peter Arneson. K: Jan Reiff. S: Lars Roland. M: Stefan Ziehten. P: Fullfeedback Productions. D: Axel Wedekind, Rungano Nyoni.
80 Min. Kinostar ab 10.3.11

Mann gegen Wand

Von Jesko Jockenhövel Man kann es direkt am Anfang sagen. Früher oder später kommt die Sprache sowieso drauf. Iron Doors erinnert von seiner Grundidee stark an den Überraschungserfolg Cube. Oder an Saw, den ersten Teil. Ein Mann findet sich in einem abgeschlossenen Raum wieder, weiß nicht, wie er dahin gekommen ist, und auch nicht, wie er da wieder rauskommen soll. Nur ist das Ganze höchstens halb so spannend wie Saw und auch visuell lange nicht so erstaunlich wie Cube, obwohl Iron Doors nach den Dreharbeiten in 3D konvertiert wurde.

Mark erwacht also in einem hermetisch abgeschlossenem Lagerraum, der auch ein ehemaliger Tresor sein könnte, in dem sich neben einer toten Ratte und außer einem verschlossenem Spindschrank nichts weiter finden läßt. Auch keine weiteren Darsteller. Und da gibt es schon das erste Problem. Wie schafft man es, eine Handlung am Laufen zu halten, wenn es keine weiteren Konflikte gibt als Mann gegen Wand? Keine leichte Aufgabe, die in Iron Doors weitestgehend mißlingt. Erst als Mark sich durch die erste Wand schlägt und neben einem weiteren identischen Raum auch eine Mitgefangene findet, die allerdings eine andere Sprache spricht und ihn auch nicht versteht, kommt etwas mehr Dynamik in die ganze Geschichte. Insgesamt, trotz der kurzen Laufzeit von nur 85 Minuten, bleibt der Film aber nicht mehr als eine Fingerübung, die wohl eher als Visitenkarte für das deutsche Filmteam mit einem Blick nach Hollywood dienen soll: »Wir können Genrefilme!«. Das 3D-Bild dagegen macht insofern in Iron Doors Sinn, da es die klaustrophobische Situation der Hauptfigur verstärkt. Vor allem weil 3D in Zusammenhang mit der Kameraarbeit nicht rein realistisch eingesetzt wird, sondern zur Abstraktheit der Bilder beiträgt, die häufig geradezu expressionistisch in ihrer Verzerrung anmuten.

Will man noch etwas wie einen Kommentar zur Wirtschaftskrise in Iron Doors hineinlesen, so wirkt die Hauptfigur Mark durch sein Auftreten, ständiges Fluchen und den Rachedurst, den er entwickelt und den er ebenfalls fortwährend drastisch äußerst, wie ein gieriger Finanzhai, der für das Wirtschaften in eigene Tasche aus Vergeltung in seinen eigenen Tresor gesperrt wurde. Doch dadurch ergibt sich natürlich ein anderes erzählerisches Problem. Er scheint es ja verdient zu haben. So folgen aus null Identifikationspotential und Mitgefühl mit der Hauptfigur auch null Mietfiebern und null Spannung. Für Fans des Genres mag Iron Doors damit zwar eine leidlich interessante Umsetzung eines bekannten Stoffes sein, aber darüber hinaus bietet er weder genug Spannung noch eine Hauptfigur, die vielschichtig genug ist, um den Film tragen können. Nur die Lösung der Frage, wie sind sie nur da rein gekommen, hält das Ganze irgendwie am Laufen. 2011-03-04 10:10
© 2012, Schnitt Online

Sitemap