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Rango

USA 2011. R,B: Gore Verbinski. B: John Logan. S: Craig Wood. M: Hans Zimmer. P: Blind Wink, GK Films, Nickelodeon Movies. D: Johnny Depp, Isla Fisher, Abigail Breslin, Alfred Molina, Bill Nighy, Stephen Root, Harry Dean Stanton, Ray Winstone u.a.
107 Min. Paramount ab 3.3.11

Honigpops mit Kim Novak

Von Heiko Martens In der Einsamkeit hinter Glas erträumt man sich die Neugeburt als Held wohl am leichtesten. Wenn die Szenographie in erster Linie für eine kopflose Puppe, eine Palme und ein Schwert – allesamt aus Plastik – gesorgt hat, bedarf es hierbei dennoch einiger Phantasie, um ein taugliches Stück zu entwerfen. Da ist es ein notwendiger Glücksfall, daß ein kurzes, aber heftiges Schlingern des Automobils auf staubiger Wüstenstraße dafür sorgt, daß das Chamäleon mit Kampfnamen »Rango« samt Terrarium von der Ladefläche fliegt und so von seinem geistig limitierenden Gefängnis Abschied nehmen darf.

Dem einsamen Held fehlt nun nur noch die Geschichte – und die gibt die umliegende Wüste irgendwo im US-amerikanisch-mexikanischen Dunstkreis fix vor. Das Chamäleon Rango bekommt Durst – und erfährt bald, daß auch das kleine Wüstendorf mit dem bezeichnenden Namen »Dreck« nach Wasser lechzt. Irgendjemand hat im Untergrund verschwörerische Dinge gedreht und so bleibt die regelmäßige Lieferung am Mittwoch (genregerecht »High Noon«) aus. Da kommt der aufschneiderische Blender Rango gerade recht. Denn wo es an Rohstoffen mangelt, verkauft man sich entweder an die Großindustrie oder braucht einen Helden mit Masterplan. Rango wird zum neuen Sheriff ernannt und muß nun zusehen, wie es den Dorfbewohnern, einer kruden Mischung aus Ratten, Echsen, Katzen, Schildkröten und anderem Getier, ihr Wasser besorgt. Daß die Ankunft Rangos ebenso von dessen Lügengeschichten lebt wie von der Exotik des Neuankömmlings, der bisher nur sein Terrarium kannte, wird Rango natürlich noch zum Verhängnis. Das Chamäleon muß manch Feuerprobe bestehen, um der Verschwörung auf den Grund zu gehen. So wird geritten, duelliert, geschossen, betrogen, in der Wüste fast gestorben und vor prachtvoller Kulisse doziert, wie es sich für einen Western gehört. Sogar eine Postkutschenverfolgung gibt es – mit Fledermausluftwaffeneinsatz zu den Klängen von Wagners Walkürenritt.

Mit Rango kommt der erste Animationsfilm des Fluch der Karibik-Regisseurs Gore Verbinski in die Kinos (und dieser bringt im Original seinen Star Johnny Depp gleich mit). Seine Hommage an den Western gelingt durchweg. Die Animationen sind herausragend. Neben der illustren Tierwelt, die das Dorf Dreck zum Leben erweckt, werden die Elemente beschworen, wie man sie noch nicht gesehen hat. Die Luft flirrt, Feuer leckt, Wüstenstaub wirbelt und wenn das Wasser als jedermanns Begehr auftaucht, wird es fast fotorealistisch zelebriert. Ein Augenschmaus, dem es auch nicht an Action und Witz mangelt.

Daß die Geschichte das Wüstenrad nicht neu erfindet, kann man gut verschmerzen. Dafür werden klassische Erzählelemente schön aufbereitet – z.B. in Form des Chors aus der griechischen Antike, der hier in Gestalt von vier Mariachi-Eulen auftaucht. Der Humor ist grenzwertig genug, daß er mitunter weniger das kindliche Zielpublikum als vielmehr die begleitenden Erwachsenen anspricht, zumal, wenn die Anspielungen auf den Fundus an Genre-Vorbildern abstellen.

Der Grundkonflikt ist zudem von einer strengen Ernsthaftigkeit. Auch wenn der Film unblutig bleibt – hey, Gringo, das Wasser wird knapp. Das ist nicht nur wahr, sondern auch mal harter Tobak. 2011-03-01 14:30

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