— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Tucker & Dale vs Evil

CDN 2010. R,B: Eli Craig. B: Morgan Jurgenson. K: David Geddes. S: Bridget Durnford. P: Eden Rock Media, Looby Lou, Reliance Motion Picture Company, Urban Island. D: Tyler Labine, Alan Tudyk, Katrina Bowden, Jesse Moss, Philip Granger, Brandon Jay McLaren u.a.
89 Min. Wild Bunch ab 10.2.11

Das Texas Vollidioten Massaker

Von Nils Bothmann Ein beliebtes Horrorsubgenre ist der Backwoodfilm: Werke über (meist junge) Menschen aus den Vorstädten und Metropolen, die im Hinterland von Degenerierten gegen ihren Willen penetriert, eliminiert oder filetiert werden. Gelegentlich nahmen sich Großproduktionen wie Beim Sterben ist jeder der Erste und Die letzten Amerikaner des Sujets an, der prägendste Film war jedoch Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre von 1974, dem unzählige Epigonen folgten. Nehmen Filme wie Wrong Turn, Vor Morgengrauen und Timber Falls den Begriff Backwood noch sehr wörtlich, so sind es schon in TCM und The Hills Have Eyes waldarme Landstriche, in denen die Touristen mit den Ausgestoßenen, dem Freudschen Verdrängten, dem Lacanschen Anderen des American Way of Life auf brutale Weise konfrontiert werden.

Tucker & Dale vs Evil invertiert dieses Schema nun, schlägt sich auf die Seite der gutmütigen Rednecks Tucker und Dale, die auf ein paar Collegekids treffen, welche eben ein paar Backwoodfilme zuviel gesehen haben. Als die liebenswerten Simpel ein Mädel aus der Gruppe vorm Ertrinken retten, glauben die anderen an eine Entführung durch degenerierte Hillbillies und starten verzweifelte Rettungsversuche, die grundsätzlich im Ableben der Barbies und Kens aus dem Collegekreis enden. Die Idee hinter Tucker & Dale vs Evil ist klasse, jedoch verläßt sich das Buch ein wenig zu sehr auf seine Prämisse, wiederholt sich mit zunehmender Laufzeit ein wenig. Daß die Backwoodsatire trotzdem in ihren schwachen Momenten funktioniert, in ihren besten sogar richtig gelingt, das liegt vor allem an zwei Faktoren. Zum einen wären Alan Tudyk und Tyler Labine zu nennen, die sich als sympathische Redneckclowns schnell ins Zuschauerherz spielen und die ihre Figuren so anlegen, daß man zwar über die Mißgeschicke von Tucker und Dale lacht, die beiden aber nie zu Witzfiguren degradiert werden.

Zum anderen gelingt es Regie und Schnitt die aberwitzigen Todesfälle der beschränkten Youngster als grandiose Funsplattermomente zu inszenieren, die bei der Vorführung beim Fantasy Filmfestival 2010 zurecht lautes Zuschauerjohlen und Szenenapplaus ernteten. Gerade die Szene, in der Alan Tudyk in Leatherface-Manier kettensägendschwingend durch den Wald rast, ist nicht nur eine liebevolle Anspielung auf einen Kernmoment von TCM, sondern auch ein Musterbeispiel komödiantischen Timings. Da verzeiht man gerne das schwache Finale und die Unglaubwürdigkeiten des Drehbuchs, denn so überzeugend Tyler Labine und Katrina Bowden die aufkeimende Romanze zwischen Redneck und geretteter Touristin auch verkörpern, sie wirkt immer noch reichlich konstruiert. Doch angesichts solch plumper Nachstellfilme wie Date Movie, Meet the Spartans und Beilight – Biss zum Abendbrot, die man nur mit viel Wohlwollen noch als Parodie bezeichnen kann, ist man froh über einen kleinen, durchdachten Film, der lieber Genremechanismen auf die Schippe nimmt anstatt mechanisch Schlüsselszenen nachzumachen. Ein Spaß, ebenso sympathisch wie seine Titelfiguren. 2011-02-04 14:46

Abdruck

© 2012, Schnitt Online

Sitemap