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Das Lied in mir

D/RA 2010. R,B: Florian Cossen. B: Elena von Saucken. K: Matthias Fleischer. S: Philipp Tho- mas. M: Matthias Klein. P: teamWorx Television & Film. D: Jessica Schwarz, Michael Gwisdek, Rafael Ferro, Beatriz Spelzini, Alfredo Castellani, Marcela Ferrari, Carlos Portaluppi.
95 Min. Schwarz-Weiss ab 10.2.11

Schlafe, mein Kindlein

Von Susan Noll Marcel Proust wußte, daß unsere Erinnerungen die wahre Wirklichkeit bilden, wenn sie in die Realität unseres Lebens eindringen. Dieser Gedanke wird das Leben der jungen Sportlerin Maria ein für alle Mal umkrempeln. Auf einen Anschlußflug in Buenos Aires wartend lauscht sie einer Frau, die ihr Kind mit einem Lied in den Schlaf singt und erkennt den Text, obwohl sie kein Wort Spanisch spricht. Dieses Erlebnis läßt sie nicht mehr los und so bleibt sie in der Stadt. Zwei Tage später steht Marias Vater vor der Tür, dem sie eine Nachricht über das Erlebte hinterlassen hatte. Mit der ständigen Bitte, doch wieder mit ihm nach Hause zu fahren, eröffnet er ihr schließlich doch das Unglaubliche: Maria ist in Argentinien geboren, ihre richtigen Eltern wurden während der Militärdiktatur verschleppt. Dieses Geständnis erschüttert nicht nur das Vertrauen Marias in den Mann, den sie bisher als ihren Vater gekannt hat, sondern tritt auch eine Suche los, die ins Innere der Persönlichkeit der jungen Frau und der Geschichte Argentiniens führt. Doch Regisseur Florian Cossen macht nicht den Fehler, die Gesamtheit der argentinischen Historie darstellen zu wollen, was zweifelsohne in filmischem Geschichtsunterricht geendet hätte, der aufgrund seiner Fiktionalität nie authentisch sein kann. Er entscheidet sich vielmehr für die bewußte Perspektivierung, die einfache Geschichte einer jungen Frau, die sich wieder orientieren will in ihrem Leben. Jessica Schwarz verleiht ihrer Maria gekonnte Züge zwischen Verunsicherung und dem starken Willen zu erfahren, wo sie herkommt. Damit steht sie unbestritten im Zentrum dieses kleinen Films, der kein Stellvertreter für Schicksale dieser Art sein möchte, sondern seine Geschichte ganz eigensinnig und ohne großen politischen Hintergrund erzählt. Die Verletzung der Gefühle und die Fragen nach persönlicher Verantwortung und Schuld erscheinen wichtiger, vor allem auch, weil sie nicht eindeutig beantwortet werden können. Auch diesem schwierigen Fakt stellt sich der Film. 2011-02-04 14:38

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #61.

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