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Freundschaft Plus

No Strings Attached. USA 2011. R: Ivan Reitman. B: Elizabeth Meriwether. K: Rogier Stoffers. S: Dana E. Glauberman. M: John Debney. P: Handsomecharlie Films, Katalyst Films, Montecito Picture Company, Paramount Pict. D: Natalie Portman, Ashton Kutcher, Kevin Kline, Cary Elwes, Greta Gerwig, Lake Bell, Olivia Thirlby, Ludacris u.a.
107 Min. Paramount ab 17.2.11

Portman goes Romantic Comedy

Von Jesko Jockenhövel »Wenn einer nicht Regie führen, nicht schreiben, nicht komponieren kann, wenn einer überhaupt nichts kann, dann wird er Produzent«, sagte Billy Wilder. An der Romantic Comedy Freundschaft Plus, einem Genre, in dem Wilder einige seiner schönsten Filme drehte, waren nicht weniger als zwölf »producers« und »executive producers« beteiligt, unter anderem Natalie Portman, der weibliche Star des Films. Von Portman wußte man auch schon vor Black Swan, daß sie zumindest wunderbar und aufopfernd schauspielern kann. Die Idee, sich als Produzentin zu beteiligen, dürfte jedoch weniger aus künstlerischen als aus wirtschaftlichen Gründen entstanden sein. Nicht erst seit Tom Cruise oder Mel Gibson die meisten ihrer Filme mitproduzieren, gibt es den Hollywood-Trend, daß erfolgreiche Schauspieler sich finanziell an den Ausgaben und entsprechend an den zu erwartenden Einnahmen beteiligen.

Für letzteres stehen die Chancen ja auch nicht schlecht. Portmans Co-Star Ashton Kutcher hat sich in den letzten Jahren einen Namen als hundeäugiges Objekt der Begierde in zahlreichen RomComs gemacht und Regisseur Ivan Reitman, fast ein Veteran der High Concept-Comedy, kann auf eine Filmographie zurückblicken, die sowohl die Ghostbusters-Filme als auch die Schwarzenegger-Komödien Junior und Kindergarten Cop umfaßt. In Freundschaft Plus wird das alles etwas modernisiert und vor allem »aufgesext«, was dazu führt, daß der Film in den USA aufgrund der expliziten Dialoge eine Freigabe für unter 17-Jährige nur in Begleitung Erwachsener erhielt. Aber wer will schon eine Romantic Comedy mit seinen Eltern sehen?

Vielleicht liegt die Freigabe auch im Konzept des Films begründet, denn Emma (Natalie Portman) und Adam (Ashton Kutcher) führen eine Beziehung, die rein auf Sex basiert – No Strings Attached (so der Originaltitel). Doch schnell wird klar, daß Adam, der als Assistent bei einer Musikshow arbeitet, die stark an Glee oder High School Musical erinnert, mehr will. Ganz im Gegensatz zu Emma, die als gestreßte, angehende Ärztin mit der Situation ganz zufrieden und sowieso beziehungsunfähig ist, bis sie natürlich vom Gegenteil überzeugt wird. Hier liegt vielleicht der kleine Kniff des Films, der ihn von anderen romantischen Komödien absetzt. Nicht in der Domestizierung des Mannes, siehe die klassischen Billy Wilder-Komödien wie Sabrina oder Liebe am Nachmittag, liegt die Herausforderung, sondern Emma davon zu überzeugen, daß es neben der Arbeit auch noch das große Glück in der Liebe zu finden gibt. Freundschaft Plus zeigt sich damit gewissermaßen auf der Höhe der Zeit, in der die Frau die große Karriere macht, während der Mann sich um die Beziehung und das Wohlbefinden kümmert, hier nett umgesetzt, als Adam Emma und ihren WG-Freundinnen, die alle ihre Periode haben, einen Musikmix mit Titeln wie »Red Red Wine« und »Sunday, Bloody Sunday« zusammenstellt. Der Film weist damit sicher einige charmante Ideen auf, denn irgendwie müssen die zwölf Produzenten sich ja eingebracht haben. Portmann und Kutcher harmonieren besser als man annehmen könnte und die Besetzung der Nebenrollen inklusive Kevin Kline als Adams überdrehter Vater und gealterter Hollywood-Star überzeugen. Doch nach dem frivolen Anfang des Films gerät die Story, die letztendlich alle Konventionen erfüllt, zunehmend in seichteres Fahrwasser. Da paßt es nur, daß der Film durchgängig im immer sonnigen Los Angeles spielt. Letztendlich bleibt ein schaler Beigeschmack und ein Urlaub in Kalifornien würde sich realer anfühlen als dieses Hollywood-Kunstprodukt, das durch viel Routine und ein bißchen Charme aber über weite Strecken durchaus unterhält. Vielleicht gerät Natalie Portman, der man eine gewisse Ähnlichkeit mit Audrey Hepburn in Sabrina und Liebe am Nachmittag nicht absprechen kann, ja aber einmal an einen ambitionierteren Komödienregisseur. Womit wir wieder noch einmal bei Billy Wilder wären. 2011-02-11 12:17
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