— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Brothers

USA 2009. R: Jim Sheridan. B: David Benioff. K: Frederick Elmes. S: Jay Cassidy. M: Thomas Newman. P: Relativity Media, Columbia Pictures. D: Jake Gyllenhaal, Natalie Portman, Tobey Maguire, Clifton Collins Jr., Bailee Madison, Sam Shepard, Mare Winningham, Taylor Geare u.a.
105 Min. Koch Media ab 27.1.11

Wie ich den Krieg gewann

Von Carsten Tritt Es ist beileibe keine Seltenheit, wenn ein Soldat traumatisiert aus Afghanistan zurückkehrt. Hierfür reichen schon die üblichen Schrecken des Krieges, auch ohne nach monatelanger Gefangenschaft von Taliban gezwungen worden zu sein, mit einer Eisenstange einen Kameraden zu Tode zu prügeln. Allerdings scheint es auch Klischee des filmischen Erzählens, sich mit allgegenwärtigem Schrecken nicht zu begnügen, und somit selbst dort nach einer außer dem Gewöhnlichen liegenden Geschichte zu greifen, wo sie dramaturgisch gar nicht zwingend gebraucht gewesen wäre.

Bei Brothers, dem Remake des Films von Susanne Bier, wirkt dieser im Drehbuch angelegte Wunsch zum Besonderen gar paradoxer als im Original, als sich die Inszenierung noch deutlicher den Richtlinien eines konventionellen Hollywooddramas unterordnet. Schlecht wird der Film deshalb nicht, doch die Außergewöhnlichkeit seiner Geschichte nützt ihm nichts, sondern wirkt geradezu als Fremdkörper, wenn der dargestellte Konflikt sowohl lebensnah und eindringlich ist, und dies aber doch sowieso auch ohne den Überbau gewesen wäre.

Seine feine Intelligenz entwickelt Jim Sheridans Film dann auch nicht aus einer vordergründigen Frage nach Schuld oder Verantwortung, sondern aus einer in soziologischen Widersprüchen verfangenen Suche der Protagonisten zwischen Ehrlichkeit, Vertrauen und Verlustängsten. Hier dringt Brothers mit Bedacht und doch stets präzise tief in die Seelenwelten seiner Charaktere ein, wenn auch nie mit anderen Mitteln als denen des Genres.

Über das Schlußbild wurde eine kurze Off-Stimme gelegt, die zwar den geglückten Eindruck nicht angreift, die aber die Essenz erneut aus dem Außergewöhnlichen des Kriegserlebnisses zu ziehen sucht, so als ob der Filmemacher der eigentlichen Kraft seines Werkes nicht mehr getraut hätte. 2011-01-24 17:16

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #61.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap