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Corroboree

AUS 2007. R,B: Ben Hackworth. B: Peter Savieri. K: Katie Milwright. S: Cindy Clarkson. M: Robert Mackenzie. P: I Won't Grow Up. D: Conor O'Hanlon, Rebecca Frith, Natasha Herbert, Susan Lyons, Jane McArthur, Margaret Mills, Ian Scott, Jethro Cave u.a.
96 Min. Arsenal Institut ab 20.1.11

Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel?

Von Sarah Sander Wenn einer spielt, daß er spielt, was er spielt und doch das Spielen zum Stück wird, ist dann noch ein Spiel ein Spiel ein Spiel? Wenn ein Schauspieler in Corrobree also einen Schauspieler spielt, der sich ins australische Outback aufmacht, um Szenen aus dem Leben eines todkranken Regisseurs zu spielen und es plötzlich kein Außen für dieses Spielen mehr gibt – kein vor und nach der Szene, kein neben oder hinter der Bühne – sondern jede, aber auch jede Begegnung Teil des Stücks ist und jeder Winkel, jedes Zimmer und jeder Flur des hippiesquen Hostels, in dem die Schauspielerinnen um den kranken Regisseur leben, zu einem Teil des Settings wird – was ist das dann für ein Spiel mit dem Spiel des Spiels?

Conor, blond, jung, mit zerschlissenen T-Shirts, verschlafen, verschlossen, schmolliger Blick, die Haare wie ein Vorhang quer im Gesicht. Als sei er immer nur halb da, aber eben auch immer halb auf der Bühne. Ein Halbstarker, der sich nur halbstark in diesem Theaterzirkus schlägt – bis das Spiel ihm Spaß zu machen beginnt.

Die Frauen, alt, jung, blond, rot, brünette, immer da, immer nah, wie gute Geister, die den Laden am Laufen halten, Früchteschnippeln, sich kümmern, pflegen; Schauspielerinnen, Freundinnen, Mütter, Schwestern, immer geschminkt und nie aus der Rolle, wenn sie ihn sehen. All diese leichtbekleideten, nackten Mädchen und gestandenen Frauen, die unanständige Sachen sagen und tun – im Spiel. Bis es auch ihnen mal zu bunt wird und sie abreisen, tuscheln oder aus der Rolle gehen.

Und der Regisseur, der blinde Fleck, grau, schatten- oder schemenhaft, um den alles kreist, der immer da und doch nie anwesend ist – ein Greis seiner selbst, der nicht sich aber sein Leben in Szene setzt – eigentlich unbedeutend und doch so zentral. Nicht Dirigent des ganzen Theaters, sondern Drehbuchschreiber, Beobachter – und selbst Protagonist.

Denn was wir sehen ist ein Film ein Film ein Film. Nicht mehr und nicht weniger. Wo Szenen eines Lebens Momente eines anderen werden. Das ist auch schon die Antwort auf die Frage nach dem Status vom Spiel vom Spiel vom Spiel. Und was dazwischen liegt, sind Geschichten übers Theater, über eine spirituell angehauchte Community, sind Überlegungen zum Stand von Realität und Fiktion, Vergleiche zwischen Ritual und Spiel, und ist vor allem der Spaß am Spiel am Spiel am Spiel. 2011-01-19 16:36
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