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Wild

Le chien. F 2009. R,B: Christian Monnier. K: Christophe Bémon Dewarne. S: Hugues Orduna. M: North. P: Toa Films. D: Florian Frin, Marie Le Cam, Jean-Marc Le Bars, Régis Ivanov, Rémi Bichet, Nathalie Cannet, Sophie Vaslot, Odette Canton u.a.
80 Min. missingFilms ab 13.1.11

Kunst, Parallelwelt und ein Hund

Von Christian Lailach Was ist das? Wow! Oder besser: wau! Du traust deinen Augen kaum, den Ohren schon gar nicht mehr. Das, was da gerade passiert, ist entweder, oder, es gibt kein Dazwischen. Nein! Niemals! Wobei, das ist eigentlich auch nicht richtig. Ganz subjektiv ist es einfach Mist, Schrott, was du dir da eben angetan hast.

Der Inhalt ist schnell umrissen. Auf einem Hof irgendwo im französisch Ländlichen leben zwei Männer gemeinsam. Nicht schlimm, auch nicht schwul. Nein, keineswegs. Sind es Brüder? Freunde? – Wuff! – Einer der beiden – der jüngere, Kevin – bellt immer mal wieder, wenn sich Fremde dem Hof nähern oder wenn er wie wild – daher also der internationale Verleihtitel?! – und mit dem Gewehr im Anschlag über die angrenzenden Felder und Wiesen springt. Scheint also eine psychische Störung vorzuliegen. Irgendein Trauma. Sowas in früher Kindheit oder so. Viel tiefer läßt dich der Film auch nicht an sich und seine Protagonisten heran. Vor allem nicht an das gefährliche Tier! Nun geht der andere – der ältere, Jean- Claude – mal hin und wieder aus. In die Stadt, in irgendeinen Partykeller aus den späten 1980ern. Dort lernt er die auch tierliebe Sozialarbeiterin Michèle kennen, die sich direkt des jungen Hundes annimmt.

Nun, klingt ja gar nicht so schlimm? Dann viel Spaß! Viel Spaß mit miserabel ausgeleuchteten, kaum ausgestatteten sowie eher vorgetragenen denn gespielten Akten, Szenen, Dialogen. Glücklicherweise gibt es von letzteren nicht wirklich viele. Ob ihrer Schwerfälligkeit? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht und all dies ist Absicht, knallhart und offensiv kalkuliert; jedes g-e-s-p-r-o-c-h-e-n-e Wort wiegt tonnenschwer, jeder Blick, jede Regung ein Dolchstoß mitten ins Mark der Bedeutungsschwangerschaft? Minimalismus! Ja!

Mag sein, daß du nix von dieser Kunst verstehst, die Ebene an dir vorübereilt. Du siehst sie zwar, doch treffen werdet ihr euch nicht. Schwach erinnerst du dich: Parallelenwelten schneiden sich nie! Nur schade, daß dann wahrscheinlich die arme Kunst wieder herhalten muß. Der Turm zu Babel aus Hundekot. Grandios! 2011-01-10 13:41

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #61.
© 2012, Schnitt Online

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