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Home for Christmas

Hjem til jul. N/D 2010. R,B: Bent Hamer. K: John Christian Rosenlund. S: Pål Gengenbach, Silje Nordseth. M: John Erik Kaada. P: Pandora Filmproduktions GmbH, BulBul Film (NO). D: Fritjof Såheim, Cecilie A. Mosli, Trond Fausa Aurvåg, Reidar Sørensen, Ingunn Beate Øyen, Nina Andresen-Borud, Tomas Norström, Joachim Calmeyer u.a.
90 Min. Pandora ab 2.12.10

Irre komisch, tragisch kitschig

Von Julian Bauer Krisselige TV-Aufnahmen vom Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York kontrastieren den Sozialrealismus der sich anschließenden Szene: Im 180 Grad Winkel zum flimmernden Fernseher sitzen ein Junge und ein Mädchen und glotzen eher gelangweilt auf diese schimmernde Glitzerwelt, die sich bei ihnen nur als billiger Abklatsch in Form eines Mini-Plastikweihnachtsbaums auf dem Fernsehgerät befindet. Albanien. Also macht sich der Junge auf den Weg, einen richtigen Weihnachtsbaum in irgendeiner Industriebrache zu finden und gefährdet damit sein Leben.

Ein Räumungsfahrzeug holt uns aus der albanischen Tristesse in eine verschneite Winterlandschaft. Norwegen. Die Probleme hier haben natürlich nichts Lebensgefährliches. Bent Hamers neuer Film heißt Hjem til julHome for Christmas. Und obwohl sich hier ein paar kitschige Attitüden einschleichen, bleibt er sich auch bei diesem Thema treu. Mit Ruhe und Witz werden hier die verschiedenen Episoden erzählt. Starre Einstellungen, die sich Zeit nehmen. So zum Beispiel die Aufnahme vom vergeblichen Versuch einen Tisch einen verwinkelten Treppenaufgang herunterzutragen. Der Tisch zu groß, der Aufgang zu eng. Die Komik liegt jedoch in der Kameraeinstellung, in der Zeit, die ob dieses hoffnungslosen Versuchs vergeht. Das Komische ist bei Hamer immer schon im Tragischen wiederzufinden gewesen – und umgekehrt. Anrührend wie hirnverbrannt (und gerade deshalb auch wieder anrührend) ist auch der Versuch eines geschiedenen Vaters seine Kinder an Heiligabend zu Gesicht zu bekommen.

Hamer strukturiert Räume und Stimmungen mit Licht: Laternen in der Landschaft, die Intervalle von Dunkelheit schaffen, Schattenspiele an einer Wand, der Blick von Draußen in den warmen Schein des Inneren eines Hauses, Scheinwerfer eines Autos oder das kitschig inszenierte Nordlicht. Ein wenig schade ist es, daß Hamer sich den Kitsch bei diesem Thema nicht hat verkneifen können. Wirklich störend ist da vor allem die Geburt eines Kindes albanischer Flüchtlinge in einer Blockhütte im Lichtschein des flackernden Kaminfeuers. Die Analogie zur Geburt Christi in sozialromantischer Darstellung ist geradezu unangenehm. Wer davor die Augen verschließen kann, bekommt aber einen guten Film zu sehen. 2010-12-01 17:32
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