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Fair Game

USA 2010. R,K: Doug Liman. B: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth. S: Christopher Tellefsen. M: John Powell. P: Zucker Productions, Weed Road Pictures, Fair Game Productions, Hypnotic. D: Sean Penn, Naomi Watts, Sam Shepard, Noah Emmerich, Michael Kelly, Bruce McGill, Ty Burrell, Louis Ozawa Changchien u.a.
108 Min. Tobis ab 25.11.10

American Gladiator

Von Dietrich Brüggemann Das amerikanische Kino mag doppeldeutige Titel. Es mag sie so gern, daß im Zweifelsfall auch die Hauptfigur einen seltsamen Namen tragen muß, um dafür einen schönen Titel zu bekommen. So kam seinerzeit Will Hunting zu seinem Namen und Good Will Hunting zu seinem Titel. Fair Game basiert auf echten Begebenheiten, die Hauptfiguren heißen Valerie Plame und Joseph C. Wilson, wie ihre realen Vorbilder, aber der Titel ist trotzdem zweideutig – ein faires Spiel, aber Fair Game bedeutet auch jagbares Wild. Und damit ist die Story fast schon komplett beschrieben. Ein gutsituiertes Ehepaar, Naomi Watts und Sean Penn, Amerika am Vorabend des Irakkrieges. Die beiden haben zwei Kinder und leben in Washington ein schönes Leben in einem schönen Haus. Sie arbeitet für die CIA und ist unter anderem dafür zuständig, dafür zu sorgen, daß der Irak keine Atomwaffen in die Hände kriegt. Er war als Botschafter in diversen afrikanischen Ländern und bekommt einen neuen Auftrag: Angeblich hat der Irak versucht, Uran aus Niger zu beziehen. Wilson soll hinreisen und herausfinden, was daran stimmt. Er kehrt zurück und berichtet, daß es nicht danach aussieht. Doch die Regierung behauptet weiterhin öffentlich, Saddam würde an Massenvernichtungswaffen basteln, und eine der Hauptzutaten sei Uran aus Niger. März 2003 dann der Einmarsch im Irak, woraufhin Wilson im Sommer 2003 in der New York Times einen Artikel schreibt: »What I didn’t find in Africa«. Der Artikel schlägt in der Öffentlichkeit große Wellen, und acht Tage später erscheint in der Washington Post eine Kolumne, in suggeriert wird, Wilsons Entsendung nach Niger sei nur durch Nepotismus zustandegekommen, seine Frau sei nämlich CIA-Agentin. Damit ist Valerie Plame enttarnt und ihre Agententätigkeit de facto beendet, und außerdem beginnt eine öffentliche Hetzjagd auf die beiden, die irgendwann auch die Ehe in Mitleidenschaft zieht. Doch zugleich beginnt jemand zu fragen: War das rechtens? Oder steht eine Strafe darauf, Regierungsgeheimnisse zu verraten?

Regisseur Doug Liman, in den 1990er Jahren bekanntgeworden mit schwungvollen Gesellschaftskomödien wie Swingers, dann mit Die Bourne Identität ins Blockbustergeschäft eingestiegen, schließlich mit Mr. and Mrs. Smith sowie Jumper immer mehr im Blockbusterverflachungsgebiet tätig, überrascht hier mit einem schlauen Politthriller – oder ist das das falsche Wort? Fair Game erzählt zwar getreu all die politischen Verwicklungen, die teilweise ziemlich kompliziert werden, aber eigentlich interessiert er sich vor allem für das Privatleben seiner Protagonisten. Sean Penn in der Hauptrolle ist ein so rundheraus guter Mensch, daß es fast schon nervt, aber der Film gehört ohnehin zur Gänze Naomi Watts. Sie kämpft für ihre Ehre und ihre Familie und für alles, was einem Amerikaner heilig ist, sie wird von allen Seiten angefeindet, in der zweiten Hälfte wird es manchmal ein wenig soap-lastig, in solchen Momenten fühlt man sich dann fast an Veronica Ferres erinnert, aber auch das geht vorbei, oder besser gesagt: Man bleibt trotzdem dran. Nur als die Ehe dann tatsächlich in die Brüche zu gehen droht, denkt sich der Zuschauer für einen Moment: So blöd könnt ihr doch eigentlich nicht sein! Denkt mal kurz nach und haltet inne! Das ist genau, was eure Gegner jetzt wollen!

Doch am Ende dreht sich alles zum Guten, die Bösen werden bestraft und das Leben kann weitergehen. So merkwürdig konsequenzlos scheint ja auch die Bush-Administration und ihre Untaten vorübergegangen zu sein. Liest man Online-Diskussionen zu diesem Film, so liest man von Amerikanern, die sich an jene Tage erinnern, da man der Regierung nicht trauen konnte, damals – so als sei es eine fern vergangene Zeit, die längst vorbei ist. Valerie Plame und ihr Mann leben jetzt angeblich in Santa Fe, Mexiko. Was genau sie da tun, ist nicht so einfach herauszukriegen. 2010-11-23 16:09

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