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Der große Kater

CH/D 2009. R: Wolfgang Panzer. B: Claus Peter Hant, Dietmar Güntsche. K: Edwin Horak. S: Jean Claude Piroué, Uli Schön. M: Patrick Kirst. P: Neue Bioskop Film, Abrakadabra Films, Barry Films. D: Bruno Ganz, Ulrich Tukur, Marie Bäumer, Christiane Paul, Edgar Selge u. a.
88 Min. Central ab 28.10.10

Ein leises Schnurren

Von Gerrit Booms Die Unvereinbarkeit von hohen politischen Ämtern mit privaten Schicksalen – es gibt wohl kaum Sujets, die weiter hergeholt sein könnten als dieses. Wo der gesunde Menschenverstand einen Rücktritt erwägt, krallt sich der Politiker im Zweifelsfall ans Amt. Das soll uns etwas über das Leben sagen? Nun gut. Der große Kater jedenfalls versucht es mit folgender Geschichte: Der Schweizer Bundespräsident möchte den Empfang des spanischen Königspaares dazu nutzen, seine miserablen Umfragewerte aufzuhübschen. Pompös und unerhört medienträchtig soll er werden. Das jedenfalls rät ihm sein politischer Weggefährte und langjähriger Freund Pfiff – natürlich eine Intrige. Während sich die politischen und privaten Konsequenzen bündeln, manövriert sich der Herr Bundespräsident galant und clever immer geradewegs durch, ein großer Kater eben.

Die Verfilmung von Thomas Hürlimanns Roman kommt mit großen Namen, aufwendigen Bildern (eine sehr überzeugende Arbeit von Kameramann Edwin Bohr) und ausufernder Ausstattung daher. Dem Drehbuch hilft das alles nichts. Allzu häufiges Aussprechen der eigenen Gefühle, unnötig heimelnde Flashbacks und vor allem ein ermüdend konventioneller Plot machen all diese Effekte zunichte. Geschichten, die Spannung erzeugen wollen, aber schon mit der ersten Sekunde vorhersehbar sind, sollten einfach nicht erzählt werden. Zwar spielen Bruno Ganz und Marie Bäumer das attackierte Politikerehepaar mit dem verletzlichen Geheimnis gewohnt souverän und liebenswert – sie kommen aber durch die holprigen Dialoge eben auch nicht über dieses »gewohnt souverän« hinaus. Nicht anders ergeht es der hochkarätigen Besetzung in den Nebenrollen, vor allem Christiane Paul – die nahezu zu einem optischen Schmankerl degradiert wird – und Edgar Selge. Der kleine Hauch von Authentizität, der durch die Produktion weht, kommt aus ihrer Richtung. Und apropos: Große Schlußdramatik und altkluge Lebensweisheiten vor Alpenkulisse – das gehört wohl doch eher ins Fernsehen als ins Kino.

Ebendieses Fazit muß sich wohl auch Regisseur Wolfgang Panzer gefallen lassen: Im Gegensatz zu seinem Protagonisten ist ihm sein Manöver leider nicht sehr galant und clever gelungen. Dieser Kater schnurrt genüßlich vor sich hin, kann aber niemanden aus der Reserve locken. Panzer hat einen ansehnlichen Fernsehfilm gedreht, für die Leinwand ist Der große Kater aber nicht geeignet. 2010-10-28 15:09

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